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Südafrika – Tag 7- Rundreise rund um Port Alfred ( Dünen&Mole ) Grahamstown ( Uni&Stadt )

 

 

Die Nacht war eigentümlich. Wieder ein neues Zimmer. Alles steht wieder woanders. Das Bad ist nicht da, wo man es vermutet hätte. Stattdessen rammele ich mir den Fuß an einem Regal, welches gar nicht da sein sollte. Schmerzen …

Während ich mich so durch das Dunkel der Nacht taste, wird mir bewusst, dass der Tag heutige anders werden wird, als die letzten Tage, für uns beide.

Saskia muss nicht fahren, und ich muss in keine Karte sehen, oder eine Reiseroute planen.

Ein paar Stunden später sitzen wir in der Veranda von XX und genießen unser erstes Frühstück in Port Alfred. Es gibt Eier, Speck, frische Tomaten und Gurken aus dem Garten und einen ungewohnt schmeckenden Kaffee.

Als dann kurze Zeit später Inge und Horst eintreffen, geht es auch gleich los.

Die Fahrt nach Grahamstown führt uns an einer der größten Ananasplantagen Südafrikas vorbei.

Die Landschaft ist grandios im Weitblick, und der Himmel strahlend blau.

Unser erster Stopp ist eine traumhafte, kleine weiße Kirche mit einem Friedhof gleich neben dem Straßenrand.

Auf den Gräbern sonnen sich die Echsen, und die Schmetterlinge flattern von Blume zu Blume.

Ein leichter Wind macht die sengende Sonne erträglich.

Die Gräber sind mal eingezäunt, dann mal wieder nur ein Grabstein, der über einem aus Steinen abgegrenzten Bereich seinen Platz findet.

Ein riesiger, Schatten spendender Baum mit einer Sitzbank komplettiert die Idylle.

Im Inneren der Kirche finden sich braune Sitzbänke mit einem grünen Lederbezug, und im Hauptgang liegt ein grüner makelloser Teppich.

Der Stand der Sonne zaubert ein traumhaftes Licht und lässt alle Farben erleuchten.

In Grahamstown angekommen, bieten sich wie gewohnt die ersten Schwarzen an, auf den T3 aufzupassen.

Wir besichtigen die St. Michael and St. George Kathedrale sowie die Universität, auf der auch Nelson Mandela studierte.

Grahamstown kann, obwohl die Stadt nicht sonderlich groß ist, mit fast 60 Kirchen unterschiedlichster Glaubensrichtungen aufwarten.

Dominierend ist jedoch die anglikanische Kathedrale mit ihrem 53 m hohen Turm – so kam Grahamstown zu seinem Spitznamen: Stadt der Heiligen.

All das findet man in einem Radius von 500 m rund um die High Street.

Das Stadtbild ist geprägt von georgianischen und viktorianischen Häusern.

Faszinierend ist ein Laden, welcher sich durch eine ganz besondere Eigenart von allen anderen Geschäften in Grahamstown absetzt.

Der Laden ist mittig durch sechs parallel zulaufende Säulen getrennt. Weiße Holzdecken reflektieren das Halogenlicht auf das Sortiment, das zum großen Teil aus Stoffen, Mützen und Hosen aller bekannten Marken besteht.

In gut zwei Metern Höhe sind im ganzen Geschäft Doppel-Schnüre gespannt, die kreuz und quer verlaufen. Alle fünf Meter ragt von der Decke ein Stab herab, der die Schnüre auf Spannung hält.

Aber wozu nun das Ganze?

Die Schnüre sind ein Transportsystem, das komplett durch den Laden führt.

Will nun einer von den Angestellten eine Hose aus der rechten Ecke haben, er selbst aber ist in der linken hinteren Ecke, dann kann er sich die Hose „schicken“ lassen.

Das Prinzip ist so simpel wie genial.

Die Hose wird an einer Klammer befestigt, die wiederum an der Schnur hängt, und in eine Art Katapult eingehängt.

Einmal auf Spannung gebracht, bedarf es nur noch dem auslösen, und schon saust die Hose quer durch den Laden in die gewünschte Ecke.

Die Stäbe an der Decke dienen dabei auch als Umlenkstationen.

Ein tolles Show-Spiel, das wir dort beobachten dürfen. Leider ist es normalerweise nicht mehr in Gebrauch; somit freut es uns umso mehr, dass wir noch einmal eine Vorführung bekommen.

Grahamstown hat Charme ‒ ohne Frage. Überall blüht es in allen Farben, und wir genießen den Tag und saugen alle neuen Eindrücke auf.

Auf dem Rückweg nach Port Alfred sehen wir die ersten großen Wildbestände hinter einem Zaun grasen. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Addo Park, den wir morgen besuchen wollen.

In Port Alfred besichtigen wir am frühen Abend noch die Mündung des Kowie River, der das ehemalige Fischerdorf in zwei Hälften teil, sowie den imposanten Jachthafen.

Der Sandstrand scheint endlos. Die untergehende Sonne verpasst der Szene ein passendes Licht, und wir beide wissen, dass wir den letzten Abend hier verbringen werden.

Bei einem fulminanten Abendessen endet ein traumhafter Tag unter der Führung von Inge und Horst. DANKE !!!!

Südafrika – Tag 6- über die N2 bzw R72 von Coffee Bay nach Port Alfred

 

Was für eine Nacht …

Wenn ich gewusst hätte, dass in dem Zimmer eine kleine Echse die Nacht zum Tage macht, dann hätte ich mich im Vorfeld darum bemüht, sie aus dem Zimmer zu scheuchen. Somit durfte ich mich dann nachts darum kümmern.

Mit dem Erfolg, dass sich Saskia immer noch nicht entschließen konnte zu schlafen.

Die Echse könnte ja wieder kommen …

Und gleich am frühen Morgen der erste Schreck. Ich habe mit Sicherheit Augen für das Wesentliche, tendiere aber bisweilen dazu, “unwichtiges“ Bodennahes auszublenden …

Wie in diesem Fall. Eine gut ein Meter lange Schlange aalt sich in der Sonne, während sie genüsslich einen faustgroßen Frosch verdrückt.

Die Schlange zeigt sich Grau im Grundton, durchsetzt mit einem Muster aus schwarzen Karos mit weißer Umrandung.

Nach einem beherzten Warnschrei von Saskia, wenngleich leicht hysterisch, entweiche ich der Schlange, die von mir aber gar nicht beeindruckt scheint.

Meine Neugier ist geweckt. Und die Lust am Fotografieren manifestiert sich in dem Gedanken, dieses Bild für immer einzufangen.

Auf Augenhöhe mit der Schlange warte ich auf den richtigen Augenblick. Ich hoffe darauf, dass die Schlange sich ein wenig mehr mir zuwendet, damit ich sie frontal fotografieren kann. Aber nichts passiert …

Doch plötzlich macht die Schlange einen Satz und beißt beherzt in meine Sonnenblende.

Gut, dass es nur meine Sonnenblende war, und nicht meine Nase oder Wange.

Leider habe ich diesen Augenblick nicht einfangen können, und habe somit nur eine normale Draufsicht fotografieren können.

Nach dem Frühstück erkunden wir nochmals den Strand bei Tageslicht und erfreuen uns am fantastischen Ausblick.

Die Bucht, in der Coffee Bay liegt, hat eine kleine Dünung und der Strand ist weiß mit schwarzem Sand durchsetzt, der sich oberflächlich beinahe harmonisch schlängelt.

Die Klippen recht am Strand ragen weit hinaus ins Meer und die Gischt bläst einem ins Gesicht.

Wetter und Eruptionen haben dem Gestein eine einmalige Form verpasst. Geologisch interessant sind die unterschiedlichen Gesteinsschichten, die sich einem bei näherem Hinsehen auftun.

Wir genießen die Atmosphäre und machen uns dann zurück zum Hotel.

Ich tausche noch schnell Adressen aus – und schon sitzen wir auch schon wieder im Auto mit dem Ziel: Port Alfred

Kurz nach Coffee Bay tanken wir nochmals an einer der wenigen Tankstellen voll.

Der Tankstellenwart hat ein biblisches Alter und ein gespenstisches Aussehen.

Nachdem der Tank voll ist, murmelt er wahrscheinlich irgendeinen Betrag, den wir nur zahlen sollen. Ich verstehe gar nichts. Ich laufe um das Auto, sehe auf die Zapfsäule und lese einen Betrag ab. Da ich das Geld nicht passend habe, runde ich es leicht auf und ernte ein Lächeln vom Tankwart.

Der Weg zurück auf die N2 kommt uns wieder ewig vor. Nach gut zwei Stunden biegen wir nun nach links ab. Was folgt sind ständige heftige Wolkenbrüche und Orkan artige Winde, die das Wasser über das Auto und die Straße peitschen.

Die Landschaft wird zunehmend grüner und hügliger. Der Himmel ändert ständig seine Farben und die Wolken stürmen in immer wieder imposanteren aufeinandergetürmten Formationen an uns vorüber.

Nach der Schlechtwetterfront verblassen die Wolken und der Himmel zeigt sich strahlend blau. Plötzlich Straßensperren.

Was ist jetzt los!?

Wir werden aus der Straße gewunken. Man bittet uns, auszusteigen. Noch habe ich ein ungutes Gefühl.

Aber das verfliegt in der Minute, als man uns aufklärt. Die Sache ist ganz einfach.

Wir sind in einer Schweinegrippe-Zone bzw. -Kontrolle des Veterinäramtes.

Das Auto wird von oben bis unten so gut wie möglich desinfiziert –und auch wir müssen unsere Schuhe desinfizieren. Das heißt für uns einmal über ein Vlies in einer siffigen Brühe laufen. Toll, wie das schäumt …

Eben noch in der Ex-Transkei nähren wir uns zwei Stunden später der urbanisierten Zivilisation, ein komisches Gefühl. Ist uns doch so eben bewusst, dass hier ein erster Teilabschnitt der Reise endet.

Die letzten Kilometer bis nach Port Alfred führen über die R67 vorbei an den unverkennbaren Vorboten einer auf uns wartenden größeren Stadt. Wir passieren die ersten Golfplätze, an deren abgrenzenden Zäunen sich das Leben der hier lebenden schwarzen Bevölkerung abzeichnet. Überall Müll und Wellblechhütten.

Auch hier findet der Handel an der Straße statt. Kinder winken uns zu und gestikulieren wir mögen anhalten, damit sie an uns was von ihren angebotenen Waren verkaufen können.

Wir allerdings sind gut eingedeckt mit den noch in der Tüte liegenden Resten der Lunchpakete aus dem Ocean-View Hotel.

Die winkenden Kinder verblassen im Rückspiegel unseres Autos, sind aber bis heute in unseren Erinnerungen präsent.

Bei Inge und Horst landen wir um 15.00 Uhr nachmittags und finden uns kurz darauf bei Freunden auf der Couch wieder – bei frischen Austern.

Wir erzählen von unseren erlebten ersten Tagen in Afrika, und sie werten unsere Erinnerungen mit ihren eigenen auf.

In den nächsten Stunden werden wir mit Informationen gefüttert. Wir erfahren Wertvolles und Makabreres.

Also ich beiläufig erwähne, dass ich aus Potsdam komme, erfahren wir, dass wir dann in Oudtshoorn unbedingt bei Burga nächtigen sollten, da diese auch aus Potsdam kommt.

Gemerkt, denke ich mir 🙂

Horst erzählt, dass viele von den Ortschaften inoffizielle „Ranglisten“ führen, welche Ortschaft die meisten Todesopfer durch Verkehrsunfälle zu vermeiden hat.

Beiläufig fügt er hinzu, dass die Luft im Sommer in der Transkei sehr süßlich riechen würde -und dass er schon den ein oder anderen toten im Straßengraben hat liegen sehen.

Ohne Worte…

Inge zaubert für uns abends einen traumhaften Fisch. Ich genieße südafrikanisches Bier und Wein zum Essen.

Horst erzählt bei einer Pfeife, es mögen auch sicherlich mehr seine abendfüllenden Geschichten aus ihrer Zeit in Afrika, als sie noch auf einer BMW oder dem T3 Bully in Südafrika unterwegs waren.

Irgendwann nachts fallen wir beide ins Bett …

Der nächste Tag wird spannend, denn wir wollen nach Grahamstown. Wegen der fast 60 Kirchen nennt man sich bezeichnend auch als „Stadt der Heiligen“.

Wir dürfen also gespannt sein.

Abschließend möchte ich aber noch erwähnen, dass die Transkei Zeit braucht. Die knapp zwei Tage, die wir leider nur als Transitstrecke hatten, reichen bei Weitem nicht aus, um sich ein Bild zu machen. Wir haben sanft an der Oberfläche gekratzt. Die Wildcoast kann am besten erwandern oder an Punkten anfahren, wenn man diese kennt, oder die Zeit hat sie zu finden. Der Kontakt zu den Menschen hat sich durch die Fahrt im Auto und Weite der Landschaft verlaufen. Leider.

Afrika ist eben Afrika. Und in drei Wochen Zeit kann man leider eben nicht alles erkunden. Schon jetzt erahnen wir, dass wir mehr Zeit brauchen könnten.