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Gran Canaria – Tag 6 – „Playa de los Amadores“ und Exkursion in das Landesinnere.

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Heute haben wir das Auto bekommen – man möge es kaum glauben. Am sechsten Tag. Leider erst um 11 Uhr. Somit haben wir wieder kostbare Zeit verloren. Nach dem Beladen wurde der Kindersitz „montiert“. Nichts nach deutschem Standard, aber für 3 Tage wird es reichen.

Kurzer Stopp am Faro2 Center. Dann ging es auch schon auf die GC500 in Richtung „Mogán“.

Kurz hinter „Puerto Rico“ liegt der traumhafte Strand „Playa de los Amadores“ – geschützt durch zwei Molen, garantiert er auch bei Wind und hohem Wellengang ungetrübten Badespaß.

Ich mag den Atlantik, wirklich. Nach dem obligatorischen Einsalben mit Sonnencreme und dem Berappen einer Liege am Strand genoss ich die Stille, die einen umgibt, wenn man die Augen schließt – und alles um sich herum ausblendet. Einzig das Rauschen der an der Brandung brechenden Wellen und dem Wind an meinem Ohr, herrscht in diesen einsamen Minuten totale Stille.

Etienne spielt mit Saskia im Sand und ich genieße mal eben die Ruhe.

Zuvor durfte ich an die 20!x Wasser mit einem Kindereimer und einer Gießkanne aus dem Atlantik fischen.

Der Kleine hat seinen Spaß, und wir genießen den Moment der familiären Besinnung.

Ich gebe es ja zu. Ich bin ein stiller Beobachter. Sicherlich kein Voyeur, aber ohne Frage sind es die Kleinigkeiten, die mir auffallen.

Heute Morgen z. B.: Zum Geldholen musste ich in ein Hotel in der näheren Umgebung. Satte fünf Sterne. Aber eine Atmosphäre zum Wegrennen.

Die Klimaanlage gibt ihr Bestes, um dem Gast das Gefühl polarer Kälte zu vermitteln. Der Rezeptionsbereich glänzt durch Größe und Sterilität zur gleichen Zeit. Roter Marmor, natürlich eiskalt, ziert die Front. Im hinteren Bereich sitzen, oder vielmehr lungern adrette Damen wie auf einer Bank.

Freundlich weißt man mir nach meine Frage nach dem EC-Automaten den Weg.

Gleich neben dem EC-Automaten daddeln Vater und Sohn auf einer Konsole.

Ich hebe Geld ab und verschwinde schnellstens von diesem trostlosen Ort.

Am Strand dagegen beobachte ich lustige wie auch kuriose Gestalten.

Da hätten wir z. B.: „Den Verklemmten“; „den lachenden Bauch“; „der Kettenraucher“, „die Strandläufer“; um nur einige zu nennen.

Der Verklemmte

Ist ein wundervolles Beispiel für noch nicht erfundene Möglichkeiten der völligen Abgeschirmtheit am Strand.

Dieses Exemplar versucht krampfhaft, sich seiner Badehose zu entledigen. Dumm nur, dass er sein Handtuch, ähnlich dem Wickelstil einer Mumie um seine Lenden geschwungen hat. Geschickt, aber wackelig, gelingt ihm der geübte Griff unter das Handtuch. Sein halber rechter Arm wird von dem Handtuch verschlungen, während der linke Arm krampfhaft das Handtuch davor bewahrt, sich vom Körper zu lösen.

Warum hat er kein mobiles Anziehzimmer dabei???

Inzwischen hüpfend auf einem Bein, ist er nun dabei sowohl Gleichgewicht zu halten, als auch endlich die Badehose vom Leib zu bekommen.

Sichtlich erleichtert gelingt ihm kurze Zeit später sein Kunstwerk.

Den „lachenden Bauch“ beobachte ich nebenbei schon aus dem rechten Augenwinkel. Er hebt sich doch aus einer Gruppe jugendlicher ab.

Sein Bauch ähnelt dem eines typischen Bierbauches, den hier viele zur Schau tragen, wenn gleich nicht in diesem Alter.

Er ist einer von fünf. Unscheinbarer als die anderen. Dafür aber behaart wie ein Affe und weniger athletisch als der Rest von der Truppe.

Bei reichlichem Tabakkonsum musizieren sie zusammen mit ihren Gitarren.

Wenn er lacht, dann „tanzt“ sein ganzer Bauch. Die Schwingungen übertragen sich scheinbare über die Bauchmuskeln auf sein Fettgewebe.

Sieht amüsant aus.

Der „Kettenraucher“

Er sitzt auf einer Liege vor uns. Ein junger hagerer Kerl. Vielleicht Anfang Mitte 20.

Auf dem rechten Oberarm trägt er ein Tattoo, was es symbolisieren soll, kann ich nicht deuten.

Vor seiner Liege thront sein Rucksack. Sein weißes Handtuch liegt fein säuberlich auf der Liege.

Unterhaltsam dagegen ist die Art, wie er seine Zigaretten raucht, vielleicht sogar genießt. Sein Zippo ist wohl in diesen Momenten sein bester Freund.

Genüsslich zündelt er sich eine Zigarette nach der nächsten an.

Nach dem ersten Zug gleitet er wie in Trance auf die Liege zurück und entlässt den Tabakqualm aus seinen geteerten Lungen in die mit Salz geschwängerte Meerluft.

„Rauchen kann tödlich sein“. à

Der „Strandläufer“

Ist einer meiner Lieblinge. Dieser hier ist gute 50. Die gebräunte Haut wirkt wie von der Sonne wie gegerbtes Leder.

In einer hautengen Badehose im Stile der 70er Jahre und passender Sonnebrille sehe ich ihn gute 10x an uns vorbeilaufen. Mal mit T-Shirt mal ohne. Alle paar Meter bleibt er stehen. Blickt sich um, oder schaut auf den Atlantik. Beinahe verträumt.

Kontaktfreudig ist er. Mal ein Small Talk hier, mal ein Small Talk da … bla bla …

Länger stehen sehen habe ich ihn nur, wenn er etwas für sich Interessantes beobachtet. Wie z. B. Als Vater und Tochter gemeinsam versuchen einen aufgeblasenen Schwimmreifen aus dem Wasser zu bergen, ohne dabei nass zu werden. Aber das ist eine andere Geschichte …

Nach eineinhalb Stunden und zwei Eiskaffee später ging die Fahrt weiter in Richtung Mogán.

Knapp hinter Mogán wechseln wir von der GC 200 auf die GC 605. Eine abenteuerliche Straße, die leicht abseits der GC 200 in steilen Serpentinen in das vor uns liegende Bergmassiv hoch führt.

Zuerst verpassen wir die Einfahrt, weil der rechte Fahrstreifen gesperrt ist.

Die Straße führt mit gut 9 % Steigung den Berg hinauf. Teils ohne Fahrbahnsicherung.

Der kleine VW-Polo schiebt sich aber ohne Probleme den Berg hinauf.

Recht und links fällt es steil hinab. Ein Autowrack unterhalb der Straße ist Zeuge dafür, dass man diese Straße nicht unterschätzen sollte.

Plan ist, von der GC 605 bei Ayacata auf die GC 60 zu kreuzen. Von dort aus wollen wir dann auf den „Roque Nublo“ und den „Pozzo de las Nieves“.

Der Pico de las Nieves, auch Pozo de las Nieves (Schneebrunnen) genannt, ist mit seinen 1949 Metern der höchste Punkt Gran Canarias. Danach folgt der charismatische, 1817 m hohe, Roque Nublo mit seinem kuriosen, 60 m hoch aufragenden Basaltfinger auf der Spitze.

Die Bergwelt hier oben ist ergreifend schön. An den Bergkuppen kleben die Wolken wie Zuckerwatte. Die Vegetation wechselt von Farnen, Moosen und Kakteen bis hin zu Pinienwäldern. Die Kakteen wachsen senkrecht in den Himmel und erreichen gute zwei Meter Höhe. Die Pinien entdeckt man auch noch bis auf die Gipfel der umliegenden Berge hinauf.

Ab und an findet sich auch eine einsame Palme.

Die Straße hat bedingt durch die Unwetter im Februar/März 2010 viele Schlaglöcher. Teils wirkt sie wie weggespült.

Steinschlag scheint allgegenwärtig, denn der ganze Straßenverlauf ist teil voller Steine.

Knapp vor „Cruz de San Antonio“ führt die Straße an einigen Seen entlang.

Diese wirken wie von einem Maler der Renaissance in Szene gesetzt.

Unterhalb der Straße befindet sich ein Campingplatz. Einen besseren Platz wird man wohl kaum finden.

Ein paar Meter weiter treibt ein Hirte seine Ziegen durch die Landschaft, während sein treuer Hund kräftig bellt, als wie an der Herde vorbeifahren.

Die Landschaft ist nun weniger bergig. Wir befinden uns auf einem Plateau mit geringer Vegetation. In weiter Ferne sind die Ausläufer eines neuen Bergmassives zu erkennen.

Wir passieren nun einen kleinen Staudamm, den wir zuvor schon aus der Ferne bewundern konnten.

Knapp dahinter durchfahren wir einen „geteilten“ Berg. Recht und Links neben uns ragen die Klippen steil hinauf.

Hier hat man einen guten Querschnitt durch die massiven Gesteinsschichten.

Sehr deutlich sind die verschiedenen schichten und Farben zu erkennen.

Kurz hinter „Pinar de Pajonales“ ist die Straße nun nochmals auf eine Seite gesperrt. Wir ignorieren dies und fahren ca 3 Kilometer weiter. Plötzlich müssen wir stoppen. (Bildlink)

Unfassbar. Ab hier ist die Straße gesperrt. Steinschlag hat die komplette Straße verschüttet. Noch frustrierender ist aber, dass nur ca. 500 Meter weiter die Zufahrt auf die GC 60 ausgeschildert ist.

In einem Satz – Ziel verfehlt. Gute zwei Stunden Autofahrt für nichts.

Eigentlich wollten wir am „Roque Nublo“ ein wenig Wandern …

Also was jetzt?

Ein Blick in die Straßenkarte des Reiseführers zeigt auf, dass es keine Verbindungsstraße auf die parallel zulaufende GC 505 gibt. Da wir beide aber nicht so recht Lust haben, den gleichen Weg zurückzufahren, beschließen wir wachsam zu sein. Insgeheim hoffe ich aber, dass es doch eine Zufahrt gibt.

Kurze Zeit später gelangen wir an eine starke Kurve, in der uns drei Verkehrszeichen förmlich entgegenspringen.

Die Beschilderung führt Wege nach „Mogán“ (GC 605); „Tajeda“ (GC 605) und „Arguineguin, Soria“ auf.

Da sowohl „Arguineguin“ als auch „Soria“ an der GC 505 liegen, fahren wir auf gut Glück diese Strecke.

Und tatsächlich landen wir kurze Zeit später auf der GC 505. Genial!

Unser Weg führt nun in Serpentinen hinab nach „Soria“ an den Stausee.

Das obere Teilstück scheint tatsächlich wenig genutzt, denn die Straße wirkt fast zugewachsen. Ständig schleifen wir mit dem Auto an den Büschen nahe der Straße vorbei.

Wir passieren auf diesem Teilabschnitt viele kleine idyllische Bergdörfer wie „La Filipina“, „Los Penones“ und „El Pilon“.

Hier erlebt man eine ganz andere Seite von Gran Canaria. Hier dominieren einfache Verhältnisse und Landwirtschaft das Bild. Keine Hotelburgen, keine Modeshops und Discos wie z. B. in „Playa del Ingles“.

Wir entdecken kleine Bananenplantage, Orangebäume, Aprikosen und Zitronenplantagen.

Oberhalb der kleinen Ortschaften führen altertümlich aussehende Stromasten die Energie. Auch finden sich immer wieder an den Steilhängen gemauerte Aquädukte.

Am Ende der GC 505 wechseln wir auf die GC1 in Richtung „Las Palmas“.

Am nächsten Autobahnkreuz wechseln wir dann erneut, und fahren auf die GC 500 in Richtung „Maspalomas“.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dies landschaftlich eine Traumroute für all die ist, die gewillt sind, auch mal fünf Stunden am Steuer zu sitzen.

Gerne wären wir mit dem Kleinen in den luftigen Höhen gewandert. Wir haben extra einen Wanderrucksack mitgeführt, in den der kleine hätte steigen können, wenn er keine Lust mehr gehabt hätte zu laufen.

Dann hätte ich ihn auf dem Rücken tragen können.

Immer wieder gerne … wenngleich Saskia das Autofahren nun satthat. 🙂

139 Kilometer fast nur Serpentinen fordern nun mal ihren Tribut.

Morgen wollen wir zum „Mirador de Balcon“ und zu den Höhlen bei „Gandar“. Ihr dürft gespannt sein.

Einzig über den Weg bin ich noch unschlüssig …