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Roadtrip Mailand – Tag 1

In mir brannte mal wieder das Verlangen nach einem kleinen Roadtrip. Angesetzt waren drei Tage mit zwei Übernachtungen.

Doch wohin sollte mich die Reise führen?

Ideen hatte ich natürlich wieder zu viele. Einige waren machbar, andere reine Fiktion.

Durch reinen Zufall kam ich mit Tim, einem Arbeitskollegen und Freund zu diesem Thema ins Gespräch. Dabei kam ich auf Mailand … Meine Idee fand sofort Zuspruch. Lange Rede kurzer Sinn – der Trip stand.

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Einen großen Dank muss ich meinem AL aussprechen, der das alles erst möglich gemacht hat. DANKE!

Tim und ich überlegten uns ein paar Ziele, die wir beide unbedingt sehen wollten.

(Santa Maria delle Grazie, Mailänder Dom, Castellon Sforzesco, Brera Viertel, San Lorenzo Maggiore, Pirelli Hochhaus usw.)

Wir beide glaubten aber erst gar nicht so recht, dass das alles auch so funktionieren würde.

Zu tief verband uns die Enttäuschung, von anderen immer wieder versetzt zu werden.

Umso erfreulicher war der Umstand, dass wir den Roadtrip dann doch gemeinsam starten konnten.

Tim organisierte beim ADAC die Straßenkarten und die Mautplaketten. Es konnte also losgehen.

Punkt 10.00 Uhr stand er mit seinem vollgetankten Honda vor dem Haus. Das Gepäck verschwand schnell im Kofferraum – und keine 15 Minuten später waren wir auf der Autobahn in Richtung Basel / Gotthard / Milano.

Die knapp 600km fahrt führten uns durch die ersten Ausläufer der Alpen. Der Blick zu den rechts und links liegenden, bis zu 1500 Meter hohen Bergen war, wenn auch nur aus dem Auto, eindrucksvoll.

Nach dem Grenzübertritt von der Schweiz nach Italien waren es nur zwei Stunden bis nach Milano.

Um ca. 16.30 erreichten wir die Stadt. Die Zufahrt nach Mailand führte uns gute 20 km kerzengerade in Richtung Zentrum. Innerhalb der amtlichen Stadtgrenzen hat Mailand rund 1,3 Millionen Einwohner – entsprechend sind die Ausmaße.

Mit etwas Glück fanden wir schnell den Weg ins Zentrum. Nach guten 45 Minuten Herumirren auf Parkplatzsuche kam leichte Frustration auf.

In Mailand gibt es zwei Parkzonen. Gelb für die Anwohner und Blau für Touristen / Kurzparker. Denn die maximale Parkdauer ist für 2 Stunden festgesetzt.

Ein wenig zu kurz für uns J

Das „günstigste“ Hotel war das Hotel Florida nähe des Milano Centrale, Kopfbahnhof.

Die Parkmöglichkeit für das Auto fanden wir dann in einer Tiefgarage für 28€ (24h).

Das Hotel war gut gewählt, wie sich später herausstellte. Denn mit der Metro bis zum Duomo waren es nur 4 Stationen.

Nach dem Check-in schnell duschen – und dann ging es mitsamt  der kompletten Fotoausrüstung zum Duomo.

Die Metro führt sternförmig in alle Himmelsrichtungen. Wir nahmen die Metro Nummer drei und versuchten uns am Lösen einer Fahrkarte. Wie aus dem Nichts erschien dann ein Mann und erklärte uns die Funktion. Nette Sache denke ich. Am Ende stellt sich heraus, das er einer von vielen ist, die sich so ein paar Euro am Tag verdienen. Ich gebe großzügig einen Euro, den ich in Deutschland nie einem Penner oder Schnorrer gegeben hätte.

Die Metrostationen sind mehrstöckig und verschachtelt. Sie haben einen morbiden Charme, sind aber brutal stickig und schwül.

Die Metro wirkt wie aus einer anderen Zeit. Die Geräuschkulisse erinnert in Lautstärke und Klängen an eine Baustelle. Kommunikation ist unmöglich. Die geöffneten Fenster erzeugen einen angenehmen Luftzug, kühlen aber wenigstens.

Beim ersten Anblick des Duomo verschlägt es uns die Sprache. Die Ausmaße wirken auch nachhaltig gewaltig.

n  Länge: 157 m

n  Breite (im Querschiff): 92 m

n  Breite (Längsschiff): 16,75 m

n  Höhe (Längsschiff): 45 m

n  Höhe der Säulen: 24,50 m

n  Durchmesser der Säulen: 3,40 m

n  Höhe des zentralen Achtecks: 65,5 m

n  Höhe der Spitze: 106,5 m

n  Höhe der Madonnenstatue La Madonnina: 4,16 m

n  Maße der Fenster in der Apsis: 20,70 x 8,50 m

Dank der untergehenden Sonne leuchtet der Dom in einem sanften rosa Farbton. Rechts neben dem Dom thront eine gigantische Leinwand für Übertragung des WM-Finalspiels.

Der Domplatz lebt von seiner Kulisse. Die Menschen erzeugen eine magische Geräuschkulisse. Rechts erkennt man die ersten Konturen der Galleria „Vittorio Emanuele II.“

 

Dombesteigung:

Am WM-Finaltag ist uns das Glück besonders treu, denn der Dom hat heute sogar bis 21.30 geöffnet. Leider können wir nicht aufsteigen, sondern müssen den Fahrstuhl nehmen. Satte acht Euro ärmer finden wir uns dann auf dem Dach des Doms wieder.

Die Kulisse ist einzigartig. Hoch über den Dächern von Mailand ist der Ausblick im Abendlicht ein wunderbares Schauspiel.

Ich habe sicherlich mehr als 10 Dome bestiegen, aber dieser ist der mit Abstand schönste für mich, denn die Möglichkeit auf seinem Dach zu wandern ist etwas völlig anderes, als nur einen Teil zu besichtigen. Die Architektur im Zusammenspiel mit den Farben der untergehenden Sonne lässt den Dom im Wechsel aus Licht und Schatten fortwährend neu erscheinen. Der Detailreichtum ist grenzenlos.

Noch eine kleine steile Treppe trennt mich vom Hauptdach des Doms.

Oben angekommen erblicke ich als Erstes eine riesige Leinwand und eine komplette in weiße Laken eingeschlagene Bestuhlung, die für Theateraufführungen genutzt wird.

Zu gerne ich hätte ich hier oben ein Stück gesehen.

Sehr eindrucksvoll.

Nach den ersten Fotos unterhalb des Doms suchen wir das nächstbeste Restaurant auf. Hinter der Galleria finden wir ein passendes Restaurant.

Tim bestellt sich eine Flasche Wasser, Bier und Pasta mit Muscheln. Ich natürlich eines meiner liebsten, typisch italienischen Gerichte: Vitello Tonato und ein Bier.

Der Kellner fragt uns, für welche Mannschaft wir heute Abend unseren Wunsch nach den WM-Titel zusprechen würden. Wir beide antworten wie aus einem Mund, dass doch Holland den Titel heimbringen solle. Das macht uns sofort zu besten Freunden.

20.45 Uhr – Zeit, sich unter die Menschen zu mischen.

Der Domplatz hat sich gut gefüllt, und wir sind auf der Suche nach dem nächsten Bier.

Bei jedem Ballgewinn, Foul, Ecke oder einer Torchance gerät die Masse in Wallung.

Mein erstes Public Viewing ist beeindruckend  🙂

Nach dem Ende der zweiten Halbzeit und zu Beginn der ersten Nachspielzeit bricht ein Hitzegewitter los – und kurze Zeit später steht der Platz unter dem Beschuss von Regentropfen. Ein Großteil der Menschenmasse flüchtet unter die Vordächer der Galleria.

Tim und ich bleiben im Regen stehen und genießen das Feeling.

An einem Bierstand in der Nähe des Doms verwickeln uns vier Dänen in ein Gespräch. Da wir uns prächtig verstehen, führen wir das Gespräch in einer der vielen Kneipen weiter.

Ein paar Bier später versickern wir in einer Bar bei Mochito und Caipirinha.

Die lustige Truppe trennt sich um 2.3o Uhr in der Nacht. Wir machen uns mit dem Taxi auf den Weg ins Hotel.

Kaum angekommen schlafe ich auch schon – und bekomme gar nicht mehr mit, dass Tim die Muscheln wieder von sich gibt …