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Südafrika – Tag 6- über die N2 bzw R72 von Coffee Bay nach Port Alfred

 

Was für eine Nacht …

Wenn ich gewusst hätte, dass in dem Zimmer eine kleine Echse die Nacht zum Tage macht, dann hätte ich mich im Vorfeld darum bemüht, sie aus dem Zimmer zu scheuchen. Somit durfte ich mich dann nachts darum kümmern.

Mit dem Erfolg, dass sich Saskia immer noch nicht entschließen konnte zu schlafen.

Die Echse könnte ja wieder kommen …

Und gleich am frühen Morgen der erste Schreck. Ich habe mit Sicherheit Augen für das Wesentliche, tendiere aber bisweilen dazu, “unwichtiges“ Bodennahes auszublenden …

Wie in diesem Fall. Eine gut ein Meter lange Schlange aalt sich in der Sonne, während sie genüsslich einen faustgroßen Frosch verdrückt.

Die Schlange zeigt sich Grau im Grundton, durchsetzt mit einem Muster aus schwarzen Karos mit weißer Umrandung.

Nach einem beherzten Warnschrei von Saskia, wenngleich leicht hysterisch, entweiche ich der Schlange, die von mir aber gar nicht beeindruckt scheint.

Meine Neugier ist geweckt. Und die Lust am Fotografieren manifestiert sich in dem Gedanken, dieses Bild für immer einzufangen.

Auf Augenhöhe mit der Schlange warte ich auf den richtigen Augenblick. Ich hoffe darauf, dass die Schlange sich ein wenig mehr mir zuwendet, damit ich sie frontal fotografieren kann. Aber nichts passiert …

Doch plötzlich macht die Schlange einen Satz und beißt beherzt in meine Sonnenblende.

Gut, dass es nur meine Sonnenblende war, und nicht meine Nase oder Wange.

Leider habe ich diesen Augenblick nicht einfangen können, und habe somit nur eine normale Draufsicht fotografieren können.

Nach dem Frühstück erkunden wir nochmals den Strand bei Tageslicht und erfreuen uns am fantastischen Ausblick.

Die Bucht, in der Coffee Bay liegt, hat eine kleine Dünung und der Strand ist weiß mit schwarzem Sand durchsetzt, der sich oberflächlich beinahe harmonisch schlängelt.

Die Klippen recht am Strand ragen weit hinaus ins Meer und die Gischt bläst einem ins Gesicht.

Wetter und Eruptionen haben dem Gestein eine einmalige Form verpasst. Geologisch interessant sind die unterschiedlichen Gesteinsschichten, die sich einem bei näherem Hinsehen auftun.

Wir genießen die Atmosphäre und machen uns dann zurück zum Hotel.

Ich tausche noch schnell Adressen aus – und schon sitzen wir auch schon wieder im Auto mit dem Ziel: Port Alfred

Kurz nach Coffee Bay tanken wir nochmals an einer der wenigen Tankstellen voll.

Der Tankstellenwart hat ein biblisches Alter und ein gespenstisches Aussehen.

Nachdem der Tank voll ist, murmelt er wahrscheinlich irgendeinen Betrag, den wir nur zahlen sollen. Ich verstehe gar nichts. Ich laufe um das Auto, sehe auf die Zapfsäule und lese einen Betrag ab. Da ich das Geld nicht passend habe, runde ich es leicht auf und ernte ein Lächeln vom Tankwart.

Der Weg zurück auf die N2 kommt uns wieder ewig vor. Nach gut zwei Stunden biegen wir nun nach links ab. Was folgt sind ständige heftige Wolkenbrüche und Orkan artige Winde, die das Wasser über das Auto und die Straße peitschen.

Die Landschaft wird zunehmend grüner und hügliger. Der Himmel ändert ständig seine Farben und die Wolken stürmen in immer wieder imposanteren aufeinandergetürmten Formationen an uns vorüber.

Nach der Schlechtwetterfront verblassen die Wolken und der Himmel zeigt sich strahlend blau. Plötzlich Straßensperren.

Was ist jetzt los!?

Wir werden aus der Straße gewunken. Man bittet uns, auszusteigen. Noch habe ich ein ungutes Gefühl.

Aber das verfliegt in der Minute, als man uns aufklärt. Die Sache ist ganz einfach.

Wir sind in einer Schweinegrippe-Zone bzw. -Kontrolle des Veterinäramtes.

Das Auto wird von oben bis unten so gut wie möglich desinfiziert –und auch wir müssen unsere Schuhe desinfizieren. Das heißt für uns einmal über ein Vlies in einer siffigen Brühe laufen. Toll, wie das schäumt …

Eben noch in der Ex-Transkei nähren wir uns zwei Stunden später der urbanisierten Zivilisation, ein komisches Gefühl. Ist uns doch so eben bewusst, dass hier ein erster Teilabschnitt der Reise endet.

Die letzten Kilometer bis nach Port Alfred führen über die R67 vorbei an den unverkennbaren Vorboten einer auf uns wartenden größeren Stadt. Wir passieren die ersten Golfplätze, an deren abgrenzenden Zäunen sich das Leben der hier lebenden schwarzen Bevölkerung abzeichnet. Überall Müll und Wellblechhütten.

Auch hier findet der Handel an der Straße statt. Kinder winken uns zu und gestikulieren wir mögen anhalten, damit sie an uns was von ihren angebotenen Waren verkaufen können.

Wir allerdings sind gut eingedeckt mit den noch in der Tüte liegenden Resten der Lunchpakete aus dem Ocean-View Hotel.

Die winkenden Kinder verblassen im Rückspiegel unseres Autos, sind aber bis heute in unseren Erinnerungen präsent.

Bei Inge und Horst landen wir um 15.00 Uhr nachmittags und finden uns kurz darauf bei Freunden auf der Couch wieder – bei frischen Austern.

Wir erzählen von unseren erlebten ersten Tagen in Afrika, und sie werten unsere Erinnerungen mit ihren eigenen auf.

In den nächsten Stunden werden wir mit Informationen gefüttert. Wir erfahren Wertvolles und Makabreres.

Also ich beiläufig erwähne, dass ich aus Potsdam komme, erfahren wir, dass wir dann in Oudtshoorn unbedingt bei Burga nächtigen sollten, da diese auch aus Potsdam kommt.

Gemerkt, denke ich mir 🙂

Horst erzählt, dass viele von den Ortschaften inoffizielle „Ranglisten“ führen, welche Ortschaft die meisten Todesopfer durch Verkehrsunfälle zu vermeiden hat.

Beiläufig fügt er hinzu, dass die Luft im Sommer in der Transkei sehr süßlich riechen würde -und dass er schon den ein oder anderen toten im Straßengraben hat liegen sehen.

Ohne Worte…

Inge zaubert für uns abends einen traumhaften Fisch. Ich genieße südafrikanisches Bier und Wein zum Essen.

Horst erzählt bei einer Pfeife, es mögen auch sicherlich mehr seine abendfüllenden Geschichten aus ihrer Zeit in Afrika, als sie noch auf einer BMW oder dem T3 Bully in Südafrika unterwegs waren.

Irgendwann nachts fallen wir beide ins Bett …

Der nächste Tag wird spannend, denn wir wollen nach Grahamstown. Wegen der fast 60 Kirchen nennt man sich bezeichnend auch als „Stadt der Heiligen“.

Wir dürfen also gespannt sein.

Abschließend möchte ich aber noch erwähnen, dass die Transkei Zeit braucht. Die knapp zwei Tage, die wir leider nur als Transitstrecke hatten, reichen bei Weitem nicht aus, um sich ein Bild zu machen. Wir haben sanft an der Oberfläche gekratzt. Die Wildcoast kann am besten erwandern oder an Punkten anfahren, wenn man diese kennt, oder die Zeit hat sie zu finden. Der Kontakt zu den Menschen hat sich durch die Fahrt im Auto und Weite der Landschaft verlaufen. Leider.

Afrika ist eben Afrika. Und in drei Wochen Zeit kann man leider eben nicht alles erkunden. Schon jetzt erahnen wir, dass wir mehr Zeit brauchen könnten.

Südafrika – Tag 5 – Fahrt nach Coffee Bay, mit Glück Ocean View Hotel

Irgendwann musste er kommen, der Tag der Abreise. Etwas wehmütig verlassen wir am frühen Morgen das Hotel in Durban.

Das Hotel ist definitiv eine Empfehlung wert. Erstklassiger Service, das Personal war auf einem Level, wie man es sich öfter wünschen würde.

Beim Check-Out vergaß die junge Dame an der Rezeption doch glatt, uns das Telefon zu berechnen. Ein freundlicher Hinweis von mir kostete uns dann nochmals 50 € 🙂

Was also liegt heute an? Satte 500 km bis nach Coffee Bay.

Die nächsten zwei Tage wird uns die Reise durch die alte Transkei führen.

Völlig untypisch für klassische Südafrikareisen haben, wir aber bewusst diesem „Umweg“ gewählt. Wenn man die Reisekataloge durchblättert, dann wird eines klar: Die Individualität bleibt bei einem streng vorgegebenen Routenverlauf mit festen Zeiten auf der Strecke.

Das kam für uns aber nicht infrage.

Flug bis nach Johannesburg, dann in zwei oder drei Tagen durch den Krügerpark hetzen, um das Flugzeug in Durban nach Port Elizabeth zu bekommen, ist eine Horrorvorstellung.

Ab Port Elizabeth beginnt dann die eigentliche Garden Route.

Also warum nicht gleich von Durban bis nach Kapstadt?

Die Warnungen im Vorfeld waren vielseitig. Sicher ist aber, dass die Kriminalität durch Autodiebstähle, bewaffnete Überfälle oder Handtaschenraub höher ist, als in anderen Gebieten Südafrikas.

Das ehemalige Homeland Transkei, das 1976 die umstrittene Unabhängigkeit erhielt, war die größte und zugleich älteste der durch die Apartheidpolitik geschaffenen „Autonomen Staaten“ für Schwarze innerhalb Südafrikas. Das Gebiet ist in seiner Fläche größer als die Schweiz.

Es leben dort hauptsächlich Xhosa. Ein Stamm, dem auch Präsident Nelson Mandela angehört. Heute ist es leider das ärmste und rückständigste Gebiet.

Die Transkei ist aber zugleich eines der reizvollsten und interessantesten Reisegebiete im südlichen Afrika. Die sogenannte „Wildcoast“ ist eine raue, unverdorbene Küste voller Dünenlandschaften, Naturstrände und von Mangrovenwäldern umrahmter Flussläufe.

Das Inland ist geprägt von sanften und sattgrünen Hügellandschaften.

Die Hauptstadt der Transkei, Umtata, umfahren wir aus Zeitgründen und aus Vorsicht wegen der eindringlichen Warnungen.

Meine Kamera liegt griffbereit vor mir im Kamerarucksack und die Straßenkarten vorne auf dem Armaturenbrett.

Der Weg in die Transkei lässt Afrika nochmals in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Die gewohnten Rundhütten und kleinen Dörfer an den Hängen sehen wir deutlich weniger. Spannend ist die gespenstische Ruhe, die uns umgibt. Wir durchfahren Wälder aus grünen Tannenbäumen und nach dem nächsten Hügel durchqueren wir ein Teilstück aus Ackerlandschaft. Die ständigen Wechsel der Landschaftsformationen und Vegetation sind sehr eindrucksvoll.

Die uns schon bekannten grünen Nadelwälder werden auch durch gelbfarbene Bäume abgelöst oder hügeligen Landschaften, die in Rot, Braun, Grün und Gelb Farbtönen zu überzeugen wissen.

Der Himmel wechselt von Tiefblau bis hin zu bedrohlichen Grautönen.

Die N2 (Highway) ist geteert und in einem sehr guten Zustand. Einzig die Abzweigungen zu entlegenen Orten führen zum Teil über sogenannte “Dirt Roads” (Schotterpisten).

Der Weg nach Coffee Bay ist aber wieder eine Klasse für sich. Die Straße sieht aus, als wäre sie ständigen Witterungen ausgesetzt. Risse, die sich Hunderte von Metern über die Straße verteilen, Löcher, die die Größe von Traktorreifen übertreffen, sind keine Seltenheit. Die Distanz von knapp 80 km dauert fast zwei Stunden.

Auch hier kreuzen Tiere ständig und unverhofft unseren Fahrweg.

Die eine oder andere Begegnung muss wohl mit dem vorzeitigen jähen Ende eines Tieres geendet haben. Kilometer lang liegt der Geruch von verwesendem Fleisch in der Luft. In einer scharfen Rechtskurve entdecke ich beim Blick aus dem Seitenfenster den Kadaver eines Pferdes, über dem sich ein riesiger Schwarm Fliegen versammelt hat. Die Geräuschkulisse ist ähnlich der, eines Bienenschwarms.

Die Dämmerung ist hereingebrochen, als wir Coffee Bay erreichen. Wir queren eine kleine Brücke und sehen zur rechten Seite einige Camper, die eingezäunt, vor ihren Autos sitzen und dämlich glotzen …

Ein paar Meter weiter erblicken wir ein paar Bruchbuden, die sich als „Backpacker“ Lounge bewerben. Freiwillig wollen wir da aber nicht schlafen und hoffen auf einen Platz im Ocean View Hotel.

Dort angekommen ist der Parkplatz gerammelt voll und verspricht nichts Gutes.

Saskia quetscht das Auto förmlich in eine “freie” Parklücke, und wir eilen zur Rezeption.

Die Hotelanlage fügt sich terrassenartig in den Fels. Oben thront das Hotel in weißer Farbe und links, leicht abfallend, breiten sich die Apartments aus. Auf den drei Terrassenstufen finden sich Liegestühle, Tische und Bänke.

Der Rezeptionsbereich ist modern mit PC und möglicher Kreditkartenzahlung, sofern man ein Zimmer gebucht- oder reserviert hat. Was wir natürlich nicht haben.

Ich spreche die ältere Dame freundlich auf ein freies Zimmer an, worauf sie erwidert: “we’re totally booked out”

Ich blicke zu Saskia herüber und mache ihr klar, dass wir hier wohl nicht die Nacht verbringen können.

In ihrem Gesicht macht sich das typische Entsetzen breit.

Ich scherze, und werfe ein, dass wir auch in der Besenkammer schlafen würden, oder draußen auf dem Rasen.

Irgendwie muss das dann doch ihr Herz erwärmt haben, uns aus dieser Not zu befreien.

Sie deutet an, wir mögen uns setzen. Nach einen Gespräch mit ihrem Chef steht dieser auch kurze Zeit vor uns und heißt uns herzlich in seinem Hotel willkommen.

Beiläufig fügt er hinzu, dass wir in seinem Gästezimmer schlafen dürfen. Perfekt!

Nach einem respektablen 3-Gänge-Menü wechseln wir in die Lobby und machen es uns in einer der drei Couchen bequem.

Auf dem Tisch liegen viele Bücher über afrikanische Kulturen, Bräuche und Stämme, die wir in den nächsten Minuten bestaunen. Aus Minuten werden bestimmt zwei Stunden.

Um den Tag komplett zu machen, unternehmen wir noch eine Wanderung zum Strand.

Auf Saskias Frage, ob es auf dem Wege Schlangen geben würde, erwidere ich nüchtern: “Nein – oder zumindest keine giftigen” (Laut Reiseführer). Was sich als folgenschwerer Fehler herausstellen sollte …

Bei Vollmond und berauschender Brandung geht ein weiterer Tag zu Ende.

http://www.oceanview.co.za/