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Tag 6 – Abstieg vom Gipfel in das Basislager

Hallo,

Nach dem Gipfelsturm hinauf in 5165 Meter Höhe stiegen wir hinab in das Hochlager auf 4200 Meter, dann ging es nach einer kurzen Pause auf 3200 Meter in das Basislager.

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Tag 6 – Aufstieg zum Gipfel des Ararats in 5.165 m Höhe

Nach einer kurzen Nacht erwache ich morgens um 1.30 Uhr durch die Rufe unseres Bergführers. Wir sind spät dran, denn wir haben unseren eigenen Wecker nicht gehört. Ich deute das als ein gutes Zeichen. Tiefer Schlaf ist immer wohltuend. Die Nacht verlief ruhig. Ich habe sehr gut geschlafen. Nach jedem Erwachen habe ich getrunken. Immer kleine Schlucke aus meiner Trinkflasche. Eines habe ich – bei aller Sorgfalt – nicht bedacht: Die Trinkflasche ist nicht isoliert. Entsprechend ist das Wasser eiskalt. Mit jedem Schluck habe ich das Gefühl, dass mein Magen vereist. Ich gurgle also das Wasser etwas im Mund, bis es eine angenehme Temperatur hat, und führe es dann meinem Magen zu. So fahre ich ganz gut.

Ich vergewissere mich auch bei jedem Erwachen mit Fragen an Benny nach seinem Gesundheitszustand. Immer nur ein paar kleine Fragen wie: „Alles OK ?“ – „Wie geht’s?“ – „Was macht der Kopp?“ – worauf er immer antwortet: „Jo, ist OK“

Während wir uns dem Schlafsack pellen, wechseln Benny und ich ein paar kurze Worte über die Nacht. Unser Gespräch wechselt nun von Trivialitäten zum eigentlichen Kernthema.

Ich konfrontiere ihn mit seinen Kopfschmerzen und äußere meine Bedenken über seinen Zustand, der leider über Nacht nicht besser geworden ist. Benny selbst ist sich nicht mehr gewiss, ob er noch auf den Gipfel steigen soll.

Wir beschließen, die endgültige Entscheidung nach dem Frühstück zu fällen.

Hastig ziehen wir uns an, um die verlorene Zeit aufzuholen. Denn wir liegen eine knappe Stunde hinter dem ausgemachten Zeitplan.

Es ist nun schon kurz vor 2 Uhr in der Nacht.

Ich verschlinge drei Scheiben Weißbrot mit türkischem Nutella und trinke an die fünf Tassen Tee.

Mit etwas Beruhigung sehe ich, dass auch Benny mit Appetit isst. Nach einem weiteren Gespräch mache ich ihm deutlich, dass er für sich selbst entscheiden muss, ob er mit hochsteigt – oder nicht. Ich wiederhole meine Bedenken, was den Gipfelsturm betrifft.

Mag sein, dass ich ihm hätte widersprechen sollen. Aber vermutlich hätte das auch meinem eigenen Wunsch widersprochen, gemeinsam mit ihm auf dem Gipfel zu stehen.

Der Ararat war für uns nicht irgendein Berg. Er war „DER BERG“ für uns. An einem Arte Themenabend, das war wohl ungefähr im Januar 2008, da sah ich eine Dokumentation mit dem Titel „ Die Wächter des Ararat“. Link à http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&source=/ard/sendung/127466/index.html

Im ersten Moment mag das unspektakulär erscheinen. Aber um meine Emotionen zu verstehen, die mich in diesem Minuten fesselten, muss man die Dokumentation gesehen haben.

Der Berg übte auf mich eine ungeheure Faszination aus. Seine markante Form, und wie er sich so elegant aus der weiten Ebene erhebt, wirkte auf mich wie ein Magnet. Ohne lange darüber nachzudenken, stand für mich der Entschluss fest: Ich will auf diesen Berg!

Noch am selben Tag durchsuchte ich das Internet nach Informationen. Auf der Arbeit zeigte ich Benny den Berg. Er war sofort Feuer und Flamme. Somit waren wir denn schon zu zweit.

Uns Beide begeisterte die Form und die Tatsache, dass wir zusammen das gleiche magische Gefühl zum Ausdruck bringen konnten. Uns sprudelte die Begeisterung förmlich aus dem Gesicht. Schlussendlich landeten wir dann bei Dr.-Koch-Reisen.

Ein besonderer Dank gebührt Herrn Marvi, der alles bestens für uns organisierte.

Nach dem Buchen der Reise war die Spannung dann kaum noch länger zu halten. Eine knappe Woche vor Beginn der Tour hatten wir dann sowohl unsere Ausrüstung komplettiert, als auch die nötigen Einreise Visa beschafft.

Wir sitzen beide am Alutisch und packen unsere Sachen. Ich verstaue zwei Energieriegel, ein Powergel und die Ersatz-Akkus für meine Kamera im Inneren meiner Tasche. Ich fülle meine Thermoskanne mit heißem Tee und ebenso meine Wasserflasche. Die Idee ist, bei einer Pause den heißen Tee mit dem Wasser zu mischen, sodass ich etwas Warmes, nichts zwingend Heißes zum Trinken habe. Soweit die Theorie…

Ich kontrolliere nochmals meine Ausrüstung: Handschuhe, Teleskopstöcke, Regenhose, Steigeisen, Stirnlampe, Akkus, Kamera. Ich bröckele noch hastig eine Brausetablette mit Mineralien in mein Wasser – und dann geht es auch schon los.

Unser Weg führt uns gleich steil unmittelbar über dem Lager auf einen Pfad, der sich anfangs dicht an einem Abgrund entlang schlängelt. Im Schein meiner Stirnlampe nehme ich meine Umgebung nur schemenhaft war – beinahe wie in Trance.

Ich versuche mit einem Blick nach rechts den Abgrund auszuleuchten, doch das Licht meiner Stirnlampe verliert sich völlig im Dunklen der Nacht.

Der Pfad führt anfangs über Felsbrocken und leichten Schotter und endet in ca. 4.600 m Höhe auf einem von Schnee bedeckten Gemisch aus Steinen und Schotter. Die Sicht ist beschränkt wegen des verlassenden Licht der Stirnlampen meiner Gruppe, die vor mir langsam aufsteigt – und das Licht meiner eigenen Lampe. Es ist kalt. Ich spüre, wie die feuchte Luft kondensiert und sich wie Raureif auf meinem Gesicht absetzt.

Es ist glatt. Sehr glatt. Manche Steine überfroren. Das Eis ist vom Neuschnee verdeckt.

Später erfahren wir, dass es höchst selten ist, dass es um diese Jahreszeit hier oben schneit.

Eine mögliche Erklärung dafür wäre der Klimawandel -> Link

http://www.eco-world.de/scripts/basics/econews/basics.prg?a_no=20039

Bei unserer ersten Pause wechsele ich ein paar Worte mit Benny. Zu meiner Beunruhigung hat er noch immer starke Kopfschmerzen. Wir trinken gemeinsam ein paar Tassen Tee, der zu meinem Ärger nur noch lauwarm ist.

Ich beschränke mich beim Trinken auf das Wasser, um weiter am Gipfel noch Reserven an Tee zu haben.

Der Neuschnee muss gute 20-30 cm hoch sein, denn ich sacke öfter bis knapp unterm Knie ein.

Die Gruppe kommt aber gut voran. Meine Stirnlampe kann ich jetzt ausschalten, denn langsam geht die Sonne auf. Mit dem neugewonnen Licht eröffnet sich mir ein ganz neue Perspektive. Ich blicke nun das erste Mal zurück – und bin überwältigt. Nun bin ich über den Wolken und fühle mich unglaublich frei und unbeschwert. Fast wie ein Teil der Landschaft. Die Wolken schimmern leicht rötlich. Eine Zuckerwatte ähnliche Substanz die förmlich zwischen Himmel und Erde wacht.

Nach weiteren 30 Minuten sind wir knapp unterhalb der Schulter des Ararat. Es ist jetzt 3.55 Uhr. Von der Schulter sind es nochmals 200 Höhenmeter bis auf den Gipfel.

Das Geröll geht nun schlagartig über in den Gletscher. Das reflektierende Licht ist enorm. Es brennt förmlich in den Augen. Sofort erinnere ich mich an den Süphan und hoffe, dass meine Skibrille das Licht filtert.

Unterhalb der Schulter sind zwei Zelte, die völlig mit Schnee bedeckt sind. Hier merkt man deutlich, dass es am Vorabend geschneit hat.

Unsere Gruppe steht mit geschätzten zehn weiteren Bergsteigern bei den Zelten. Ein Blick auf das Thermometer zeigt: minus 9 Grad.

Von hier aus haben wir einen Blick zum kleinen Ararat, der knapp aus den Wolken herausragt. Die Wolkendecke ist nun etwas dünner, und ich kann das Tal erkennen.

Benny sieht schrecklich fertig aus, ist aber noch immer gewillt, den Gipfel zu erreichen.

Ich bin verärgert, dass mein Tee nun wie Eistee aus dem Kühlschrank schmeckt – kalt, aber ohne Frische von Zitronen. Er ist wirklich eisig.

Der Wind stürmt frostig über uns hinweg und wirbelt den Schnee gespenstisch auf.

Die Sicht durch meine Skibrille ist anfangs mehr als gewöhnungsbedürftig. Ich sehe den weißen Schnee dank der Bille in einem gelblichen Schimmer. Auch ist mein Sichtfeld leicht eingeschränkt. Anfangs beschlägt mir das rechte Brillenglas, was mich zum einäugigen Bergsteiger macht.

Nach gut 30 Minuten haben sich aber Augen und Hirn an das Licht angepasst, und ich empfinde das nun Wahrgenommene als natürlich – und nicht mehr fremdartig.

Auf der Schulter angekommen schnüre ich mir meine Steigeisen an die Schuhe und mache meine ersten Gehversuche. Das Laufen funktioniert soweit gut. Leider zerruppe ich mir meine Hose mit den Steigeisen. Was mich aber nicht im Geringsten stört. Vielmehr verfluche ich den Umstand, keine Gamaschen angezogen zu haben.

Die letzten 200 Höhenmeter haben es in sich. Der Weg führt uns steil den Hang hinauf. Gute 50% Steigung auf Schnee und Eis.

Ich bin begeistert von meinem Zugewinn an Sicherheit und Komfort beim Laufen in diesem Terrain.

Gute 15 Minuten später kommen Benny und Rainer auf mich zu. Ich reihe mich in ihre Gruppe ein. Da die beiden aber in einem völlig anderen Rhythmus als ich laufen, steige ich an ihnen vorbei. So kann ich mein Tempo machen.

Als ich auf dem Gipfel ankomme empfängt mich die Sonne, die beim Aufstieg noch hinter dem Gipfel lag. Die Weitsicht ist beeindruckend. Ich kann wieder den kleinen Ararat ausmachen. Ebenso sehe ich in der Ferne den Iran und Armenien. Nachdem ich ein paar Gipfelbilder gemacht habe, sehe ich mich nach unserer Gruppe um. Allesamt fallen wir uns in die Arme und beglückwünschen uns zu der erbrachten Leistung.

Alsbald kommt auch Benny auf den Gipfel. Er ist so gerührt, dass er mit den Tränen kämpft. Wir beide liegen uns verbrüdert in den Armen und sind überglücklich, gemeinsam hier oben auf dem Gipfel zu stehen.

Trotz der Freude wird mir gewiss, dass wir noch den Abstieg vor uns haben. Knapp 2.000 Höhenmeter.

Erst jetzt bemerke ich, dass Benny nur in seinem Funktionsshirt auf dem Gipfel steht – und erbärmlich friert. Wie das? Hatte er doch noch kurz vor der Schulter seine Funktionsjacke an. Später erfahren wir, dass wir auf dem Gipfel minus 22 Grad hatten.

Das Wetter, das noch Minuten zuvor mit strahlend blauem Himmel begeisterte, wechselt nun schlagartig. Der Wind nimmt enorm an Geschwindigkeit zu und treibt Wolken hinauf. Im Nu sind wir von einer dichten Wolkenschicht umgeben. Die Sichtweite beträgt nicht mehr als 2 Meter. Die Temperatur fällt – gefühlt – um ein paar weitere Grad Celsius.

Auf dem Weg nach unten sind noch Werner, Rainer und ich an Bennys Seite. Rainer legt Benny einen Gurt an. Somit könnten wir ihn in schwierigen Passagen besser führen. Wir drängen auf einen zügigen Abstieg. Benny muss nun schnellstens auf 3.200 m, um seine Höhenkrankheit entgegenzuwirken.

Auf dem Weg nach unten merke ich, dass sich die Konsistenz des Schnees verändert hat.

Es ist jetzt 6.30 Uhr. Die Sonne erwärmt den Schnee. Jeder Schritt ist nun mit der Gefahr verbunden, einzusacken. Nach dem Verlassen der Schulter passieren wir ein Stück des Hangs, der in den frühen Morgenstunden noch fest gefroren war.

Einer der Bergführer hat sich inzwischen Bennys angenommen und zerrt ihn im wahrsten Sinne des Wortes den Berg hinunter. Die beiden haben sich wie zwei ältere Herrschaften eingehakt. Ich folge den beiden in einem Abstand von ca. zehn Metern mit dem anderen Bergführer.

Das Gefälle vor uns wirkt beim Absteigen noch steiler. Ich habe Benny meine Teleskopstöcke zum Abstieg gegeben, damit er in seinem Zustand eine bessere Kontrolle hat. Seine Stöcke haben nämlich keine Schneeplatten und sinken beim Laufen ohne Halt in den Schnee ein – und diese Wunderstöcke habe nun ich! Ich bin bemüht, sie so platzieren, dass sie wenigstens etwas Komfort bieten.

Meine letzten Trinkvorräte sind meine Wasserflasche und mein Eis-Tee. Beim öffnen der Thermoskanne musste ich feststellen, dass der Tee gefroren war. Nun hatte ich also nur noch Wasser und Tee mit Eisbrocken…

Der Abstieg gestaltet sich schwieriger als erwartet. Die Sonne hat jetzt den beim Aufstieg noch gefrorenen Schnee so erwärmt, dass wir nun durch Matsch waten. Die Teleskopstöcke sinken ohne Vorwarnung in tief den Schnee ein. Ich kann sie schlichtweg nicht nutzen. Die Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren, ist zu groß. Ich würde bei einem Sturz kopfüber und ohne Kontrolle den Hang hinunterrollen. Also entschließe ich mich, sie nur im Falle eines Sturzes als Bremse zu nutzen.

Doch ehe ich diesen Gedanken zu Ende denken kann, breche ich in den Schnee ein und versinke bis kurz vor dem Bauchnabel. Bei der Wucht, die ich in diesem Augenblick krampfartig auf die Stöcke ausübte, geht einer jäh zu Bruch. Der Teleskopstock in meiner rechten Hand knickt unterhalb der Mitte ab, und ich stürze auf die rechte Hand.

Schnee dringt in meinen Stiefel. Ich merke blitzartig, wie sich das Klima in meinem Schuh ändert. Ich verfluche wiederholt den Umstand, keine Gamaschen angezogen zu haben und füge mich dem Umstand, nun mit nassen Schuhen bergab laufen zu müssen. Ich habe allerdings nur einen nassen Schuh, keinen kalten. Den Abstieg setze ich jetzt mit nur einem Teleskopstock fort. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Alle paar Meter breche ich im Schnee ein, stemme mich mühsam heraus und steige weiter ab.

Um mich herum kämpfen viele der Bergsteiger mit Gleichgewichtstörungen und fallen alle paar Sekunden in den Schnee. Einer der beiden Russen, die ich beim Aufstieg in das Höhenlager getroffen hatte, kämpft gegen seine Übelkeit und bewegt sich in Gang und Tempo wie ein Achtzigjähriger.

Die junge Spanierin fällt alleine acht Mal in den Schnee und wird immer wieder zum Abstieg gedrängt. Unsere Gruppe hat sich inzwischen aufgeteilt. Otto und Vreni sind alleine abgestiegen. Ebenso die beiden Kassler. Wo Werner ist, weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Rainer kämpft sich an meiner Seite durch den Schnee, und ich folge Benny und dem Bergführer noch immer in sicherem Abstand.

Bei einer kleinen Pause erzählt mir Benny, dass es ihm ein wenig besser geht, aber er noch immer mit brutalen Kopfschmerzen kämpft. Ich nutze die Zeit für einen Energieriegel und ein paar Schlucke aus meiner Trinkflasche. Ich fühle mich gut.

Benny sieht schrecklich aus. Sein Gesicht ist weiß wie eine Wand und seine Augen sehen geschwollen aus. Er wirkt lethargisch und leer.

Wir jetzt am Ende des Eisfeldes erreicht und steigen in das Geröllmassiv. Der Abstieg geht jetzt zügiger voran. Seit dem Gipfel nutze ich zum ersten Mal wieder meine Kamera. Irgendwas hat mich gebremst. Die Gedanken an Bennys „Zustand“ haben mich gelähmt – auf eine Art, wie ich sie noch erlebt hatte. Das Interesse an der Fotografie war in diesen Stunden wie erloschen.

Mein erster Blick durch den Sucher ist fremdartig hell. Die letzten Stunden mit der Skibrille haben meine Wahrnehmung verändert. Ich habe Schwierigkeiten, mit dem neuen Licht klarzukommen. Nach etwa 20 Minuten ist das dann aber auch Geschichte.

Als wir im Hochlager ankommen, stelle ich erstaunt fest, dass gute 80% der Zelte abgebaut sind. Es ist beinahe gespenstig leer.

Benny und ich beziehen unser Zelt für eine kurze Pause – aus der dann doch gute 80 Minuten werden. Während Benny im Zelt schläft, suche ich Kontakt zu unseren Bergführern. Wir quatschen ein wenig und trinken Tee.

Um mich herum liegen viele in ihren Schlafsäcken in der Sonne und wärmen sich. Der höhenkranke Russe schleppt sich, völlig mit seinen Kräften am Ende, in sein Zelt.

Kurze Zeit später geht’s dann auch schon weiter in Richtung Basislager. Nochmals vier Stunden Abstieg.

Im Basislager wartet Jemal dann mit einem gewohnten Gemisch aus Tee und Gebäck auf uns. Es ist jetzt 15 Uhr. Wir sind jetzt also gute 13 Stunden unterwegs.

Unsere Gruppe reflektiert beim Essen, das heute Erlebte. Wie alle sind glücklich, als Gruppe auf dem Gipfel gestanden zu haben. Rainer, Uwe und Otto, die auch schon auf dem Kili waren, bestätigen, dass der Ararat härter war.

Ich nutze den nahenden Abend und dessen Licht für ein paar letzte Fotos.

Der Zustand von Benny ist beutend besser, was mich sehr glücklich macht. Er klagt zwar noch immer über Kopfschmerzen, aber der Gesamtzustand sei viel besser – sagt er.

Nach einem fulminanten Abendessen gehe ich früh schlafen…

Der morgige Tag wird easy !

Vadim

Tag 5 – Aufstieg in das Hochlager am Ararat

Hallo,

Am heutigen Tage sind wir in das Hochlager in 4200 Meter Höhe aufgestiegen.

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Tag 5 – Aufstieg in das Hochlager in 4.200 m Höhe

Es ist wie verhext. Seit der Ankunft in der Türkei, regnet es jede Nacht. Heute liegen Benny und ich das erste Mal zusammen in einem Zelt.

Der Boden ist etwas uneben, was zur Folge hat, dass ich immer wieder zur rechten Seite wegrolle. Soweit eigentlich auch kein Problem, nur ich rolle immer wieder zu Bennys rechter Seite. Ich habe das Gefühl, ich hätte einen magnetischen Schlafsack. Witzig!

Mit etwas Übung gelingt es mir, mich so mit dem Schlafsack zu arrangieren, dass ich immer weniger seitwärts wegrolle – sehr zum Nachteil des Komforts beim Schlafen.

Mein Arm, der als Wegroll-Stütze fungiert, schläft immer wieder ein.

Nachts wache ich häufig auf, weil sich meine Blase meldet. Dumm nur, dass das Vorzelt auf Benny Seite liegt, und ich somit schlecht das Zelt verlassen kann. Ich bekämpfe meinen Frust bei jedem Erwachen mit einem Schluck Wasser aus meiner Trinkflasche. Meine Blase hasst mich jetzt sicherlich, aber irgendwie denke ich, dass geteiltes Leid gleich halbes Leid ist.

Ich schlafe ich dann aber doch richtig tief ein und erwache am nächsten Morgen völlig ausgeruht. Allerdings meldet sich auch zeitgleich meine Blase. Ich erlöse uns beide alsbald von der Last. Warum ich das erzähle? Ganz einfach: zuhause könnte ich das nie.

Es ist interessant, wie schnell sich der Mensch an neue Situationen anpassen kann.

Überhaupt ist Zelten eine spannende Sache. Man ist den Elementen völlig ausgeliefert.

Man lernt, pragmatisch zu den denken und arrangiert sich mit dem Zeltmitbewohner. Kompromissbereitschaft ist hier eine wichtige Voraussetzung.

Für den heutigen Tag haben die Bergführer fünf Stunden eingeplant. Es geht vom Basislager auf 3.200 m hinauf in das Hochlager in 4.200 m. Das ist für viele schon eine kritische Höhe, in der sich die ersten Symptome der Höhenkrankheit bemerkt machen.

Mal abgesehen von den Kopfschmerzen ist die Appetitlosigkeit verhängnisvoll.

Die Höhenkrankheit und die akute Höhenkrankheit können ab 2.000 m Höhe auftreten. Unabhängig von der Fitness. Leider ignorieren viele Bergsteiger aus Stolz und Dummheit diese Symptome und setzen sich damit unnötigen Gefahren aus.

Wir verlassen unser Basislager morgens bei wolkenverhangenem Himmel. Auf 3.200 m sind die Wolken schon sehr tief. Unser Weg führt uns diagonal am Berg entlang. Wir überwinden ein größeres Geröllfeld und gelangen auf einen schmalen Pfad.

Hinter uns liegt nun das Basislager, das nun kaum mehr zu erkennen ist. Die Wetterlage ist alles andere als beständig.

Beim Start entschloss ich mich für eine sichere Variante der Kleidung: eine typische wetterfeste Hose. Am Oberkörper trage ich als erste Schicht ein Funktionsunterhemd und darüber einen dünnen Pullover aus Merinowolle. Zum Abschluss kommt meine neue 3-Lagen-Funktionsjacke, die sich hier am Berg beweisen muss. Alles ist sehr leicht und im Tragekomfort genial. Auch schwitze ich in keinster Weise. Aus vergangen Touren weiß ich, wie unangenehm es ist, wenn man im eigenen „Saft“ steht.

Wir erreichen jetzt einen ausgetretenen Weg, der in Serpentinen steil den Berg hinauf führt. Ich komme mir vor wie eine Ameise. Überall am Berg krabbelt es. Heute merke ich das erste Mal, dass wir nicht alleine sind. Die paar Zelte im Basislager suggerierten Ruhe.

Bewegung kommt sowohl von oben als auch von unten.

Wir laufen ein sehr gleichmäßiges Tempo. Der Höhe entsprechend, in einem langsamen Schritt. Wir werden des Öfteren von Mulis überholt, die Gepäck ins das Hochlager bringen. Es ist immer wieder faszinierend, wie grazil und trittsicher sich die Tiere durch das Terrain bewegen. Sie laufen teils ohne Führung, wie von einer unsichtbaren Hand geführt, zielsicher den Berg hinauf.

Wir haben jetzt ca. 300 Höhenmeter gemacht. Die Wolken ziehen jetzt wie Nebelschwaden mit einer unglaublichen Geschwindigkeit an uns vorbei und hüllen unser Umfeld ein. Der Blick ins Tal endet in einer weißen Suppe. Ich merke, wie die Kälte Oberhand gewinnt.

Die Wolken filtern die Sonnenstrahlen, und ich bin froh über die Wahl meiner Kleidung.

Ich fühle mich kräftig und ausgewogen. Ängste, einen „Hungerast“ zu erleiden, haben sich vollends aufgelöst.

Meine Energieriegel kommen selten bis gar nicht zum Einsatz. Das Frühstück versorgt mich ausreichend mit Energie.

Unsere Gruppe pausiert jetzt das erste Mal nach gut einer Stunde Marsch. Wir trinken Tee und essen unsere Lunchpakete. Uwe, Steffen und ich nutzen die Gelegenheit für einige Fotos von uns und der Gruppe.

Von oben kommend, nähert sich eine Gruppe aus fünf Frauen gemischten Alters. Nach der obligatorischen Begrüßung rufe ich herüber, ob Sie auf dem Gipfel waren. Sie entgegnen, dass sie abbrechen mussten.

Ich denke nicht viel darüber nach. Wir packen das!

Das kann passieren, rufe ich noch hinüber, wenn man keiner Männer in der Gruppe hat. Gelächter.

Sie antworten nur trocken, dass die Männer auf dem Gipfel sind…..

Benny hat die Zwischenzeit genutzt und eine junge Spanierin angesprochen. Ich erfahre, dass sie von ihrer Gruppe alleine gelassen worden ist, da sie das Tempo nicht halten konnte. Sie reiht sich in unsere Gruppe ein.

Sie kommt aus XXX und ist mit ihrem Bruder und vier weiteren Leuten am Berg.

Wir setzen uns wieder in Bewegung und stampfen monoton die Steigung hinauf. Bei einem weiteren kurzen Stopp für ein Foto, komme ich mit drei Russen ins Gespräch. Sie kommen aus der Nähe von Tomsk. Die kleine Gruppe besteht aus Vater und Sohn und einem Freund. Der Sohn ist gerade zehn Jahre alt. Ich bekunde ihm meinen höchsten Respekt. Er lächelt bescheiden.

Das Wetter ist nun ein wenig besser. Die Sonne lässt sich ab und an blicken. Man spürt sofort, wenn sie da ist. Die Wärme ist deutlich spürbar. Ich öffne die Entlüftung meiner Jacke, um etwas Wärme entweichen zu lassen.

Die Landschaft um mich herum ist beinahe als trostlos zu beschreiben. Es gibt kein Grün. Nur Geröll und Schotter. Trotzdem ist sie, wenn man sie im Gesamten betrachtet, unglaublich schön und vielfältig. Unmittelbar neben uns erstrecken sich gewaltige Schneefelder, die förmlich auf den Hängen kleben.

Die Luft wird immer dünner. Mein Körper spürt den Entzug von Sauerstoff. Ich wechsle meine Atemtechnik.

Ich pumpe wie ein Taucher vor seinem Apnoetauchgang.

Meine Lungen füllen sie sich wie ein Heißluftballon. Ich spüre wie sich mein Brustkork hebt. Die Luft durchströmt meine Lungenflügel.

Ich fühle mich in diesen Minuten unglaublich lebendig. Sein Körper zu belasten und auszutesten gewinnt hier neue Dimensionen.

Voller Begeisterung über meine bis hierher erbrachte Leistung, spüre ich in diesem Minuten, dass ich den Gipfel erreichen werde.

Im Hochlager angekommen, empfängt uns Jemal mit einem Snack aus Keksen, Kuchen, Dörrobst und Tee. Benny und ich beziehen unser Lager knapp unterhalb des Kochzeltes. Auf knapp 4.200 m.

Im Basislager haben wir auch einen neuen Bergführer bekommen. Er heißt XXX und ist knapp über 30. Beim Aufbau des Zeltes eilt er uns zur Hilfe und planiert mir seinem Pickel unseren Zeltplatz am Hang.

Ich blicke den Abhang hinunter, der sicherlich 60% Gefälle hat. Das Geröll liegt so lose, dass sich mit jedem Schritt etwas bewegt. Es ist echt ein Wagnis, zum Wasserlassen den Hang hinunter zu laufen.

Unser Blick aus dem Zelt ist traumhaft. Wir können direkt in das Tal blicken. Die Ausläufer des Berges verengen sich rechter und Links Hand und münden das Tal.

Unter uns blicke ich auf eine dichte Wolkendecke, die allerdings im Moment nur ein Tal erahnen lässt.

Es ist früh am Abend, als wir in das Zelt kriechen. Genaugenommen haben wir es 17.30 Uhr. Benny klagt über heftige Kopfschmerzen. Sein Gesichtsausdruck verheißt leider nichts Gutes. Wir sprechen lange und intensiv über das, was wir machen, wenn es ihm morgen nicht besser geht.

Wir beschließen, unsere Entscheidung beim Erwachen zu treffen.

Ich schlafe voller Sorge und Ungewissheit um Benny ein.

Gruß

Vadim