Berge der Welt, Mount Ararat

Tag 2 – Colpan am Vansee

Hallo,

Heute sind wir in Colpan angekommen. Damit jeder weiß, wo Colpan liegt, hier eine kleine Hilfe:

http://maps.google.de/maps?ll=39.0326,43.679377&z=9&t=h&hl=de

Tag 2 in Bildern / Click for pictures

Colpan liegt am Vansee, dem mit 3.740 Quadratkilometern größten Binnengewässer der Türkei  im Osten des Landes in den anatolischen Provinzen Bitlis und Van, unweit der Grenze zum Iran.

Tag  2 – Von Istanbul nach Van

Was für ein vergangener Tag, denke ich, während ich realisiere, dass mich etwas aus dem Schlaf gerissen hat.

Meine Augen blicken in eine Schwarze Suppe, und nur schemenhaft erkenne ich die Umrisse unseres Hotelzimmers.

So langsam gewöhnen sich meine Augen an das Licht. Durch einen Schlitz in der Badtür erkenne ich Licht. Die Tür öffnet sich, und Benny steht im diffusen Licht der Badbeleuchtung. Ich rufe lautstark: „BENNNNNNY, was geht ab, Mann?“

Worauf er nur trocken erwidert, er würde jetzt duschen gehen.

Warum zum Teufel geht jemand nachts duschen, denke ich und will gerade wieder schlafen, da fällt mir etwas auf.

Während ich schlaff und müde in mein Bett zurücksacke, sehe ich noch irgendwelche Fetzten an Bennys Oberarm hängen – zumindest meine ich, das im Dunkeln ausgemacht zu haben.

Ich denke nicht weiter darüber nach, und schlafe wieder ein.

Am nächsten morgen erfahre ich von Benny, was wirklich geschehen war. Die „Fetzen“, die ich meinte wahrgenommen zu haben, waren befeuchtete Stücken Klopapier, die er auf seine Haut gebappt hatte, um seine von Insektenstichen malträtierte Haut zu kühlen.

Alsgleich habe ich das Bild einer unfertigen Mumie bildlich vor mir – und bekomme es nicht mehr aus meinem Kopf.

Als auch das nasse Klopapier nicht mehr Linderung schaffen wollte, ging er duschen, beendete seine traumatische Nacht. Er entfloh dem Zimmer und ging an den Bosporus.

Ich dagegen schlief wie ein Murmeltier im Winterschlaf.

Der Tag war noch jung und gerade am Erwachen, als wir vor das Hotel traten. Wir bestiegen den Bus und beobachteten die Kulisse um uns herum. Es war 3.30 Uhr am Morgen und überall in den Gassen erwachte das Leben. Der Müll wurde von den Straßen gesammelt, die Händler waren bemüht, ihre Verkaufsstände auf- oder abzubauen.

Eigentlich waren wir komplett, nur der Busfahrer schien es in keinster Weise eilig zu haben. Ich verließ den Bus, um nochmals an der Rezeption in Erfahrung zu bringen, ob wir denn komplett wären.  Was nicht so recht in Erfahrung zu bringen war.

Der Motor lief schon, als hastig noch zwei weitere Fahrgäste einstiegen.

Nun waren wir also komplett. Während der Fahrt machten wir Bekanntschaft mit den neuen Mitgliedern unserer Gruppe. Es stellte sich heraus, dass die zwei die vermissten Schweizer waren. Vreni und Otto waren erst am Abend mit dem Flieger aus Zürich in Istanbul gelandet. Wir alle verstanden uns auf Anhieb prächtig.

Im Rückspiegel des Busses konnte ich die aufgehende Sonne sehen, sie warf ein warmes und zugleich weiches, rot-gelb schimmerndes Licht auf die erwachende Metropole.

Am Flughafen angekommen, packten wir alle unser Gepäck in orientalischer Manier auf die nächster Wagen, so dass er völlig überladen umzukicken schien.

Nach den obligatorischen Kontrollen befanden wir uns im Inneren des Atatürk Flughafens.

Da das Frühstück alles andere als sättigend war, beschlossen Benny, Vreni, Otto und meine Weinigkeit diesen Umstand zu ändern.

Wir saßen wie in einer Art Vorhalle auf klapprigen, aber bequemen Stühlen und tranken Kaffee und aßen Schweizer Kekse.

Nach diesem kleinen Snack gingen wir zum Terminal, von wo aus unsrer Flugzeug starten sollte.

Dort angekommen, sahen wir noch einige andere Gruppen, die augenscheinlich auch auf den Ararat wollten, denn die Kleidung war alles andere als die eines typischen Badeurlaubers. Vielmehr zierten sie dicke Wanderschuhe.

Rainer, der Chemnitzer, der eigentlich mit seinem Sohn kommen wollte, ergriff auch gleich die Initiative und suchte Kontakt zu den anderen Gruppen.

Ich sollte recht behalten, alle wollten auf den Ararat. Es waren geschätzt 15 weitere Bergfreunde, die wie wir das Abendteuer und die Herausforderung suchten.

Rainer war mit seinem Sohn zum Akklimatisieren noch im Berchtesgadener Land, dort aber hatte ein Bergführer zu viel von der Höhenkrankheit erzählt, sodass sein Sohn dann leider doch nicht mehr mitkommen wollte. Ein Umstand, der ihn sehr betrübte.

Nach endlosen warten, kam dann entsprechende Hinweis: „45 minutes delayed“

Benny und ich nutzen die Zeit, um nochmals Kaffee zu tanken. In einem weitern Café trafen wir dann auch Otto.

Wir drei quatschten dann schier endlos. Benny warf dann ein, dass wir doch mal langsam wieder zum Terminal gehen könnten.

Am Terminal angekommen empfing uns einer netter Bursche mit der Aussage, dass der Flug nach Van schon in der Luft sei.

Mir wurde es flau im Magen. Sekunden später verwandelte sich sein aufgesetzter, ernster Blick, in ein Lächeln mit der zugehörigen Aussage: wir sollen uns doch bitte beeilen, denn die Maschine würde nur noch auf uns warten.

Im Flugzeug, beim Verladen des Gepäcks fuhr mir erneut in Schock durch die Knochen.

Verdammt, dachte ich, wo zum Teufel ist meine Isomatte? Ich musste sie am Flughafen vergessen haben….. weg war Sie – und ich ohne Unterlage für das Zelt.

Der Flug verlief ungewöhnlich ruhig. Der Anflug und die Landung waren dafür alles andere als beschaulich…

Leider hatten wir keinen Fensterplatz. Daher ärgerten wir uns, dass unser Mann am Fenster völlig ignorant uns gegenüber, das Fenster für sich allein beanspruchte.

In mir loderte eine Wut, die ich am liebsten irgendwo ausgelassen hätte.

Mit etwas Glück konnten wir dann doch einen paar Blicke über den gigantischen Vansee werfen. Das Wasser reflektierte die Sonne. Alles um den Vansee wurde in einen undurchdringlichen Dunst getaucht. Die Wasserfarbe war südseegleich: türkisblau und von erhabener Schönheit.

Der Sinkflug gestaltete sich sehr rau, da das Flugzeug ständig durch Luftlöcher sank.

Erlebnisreicher war aber die Landung. Als wir auf einer Höhe von etwa 1.000 Metern waren, schwenkte das Flugzeug in einem Winkel von guten 90 Grad, so dass ich mich erstmalig in der Geschichte meiner Flughistorie am Sitz festhalten musste.

Kurz vor dem aufsetzen neigte sich das Flugzeug derart zur rechten Seite, dass ich damit rechnete, dass der Flügel den Boden berühren würde. Anscheinend hatte ein starker Wind das Flugzeug erfasst und schlagartig aus seinen Anflugswinkel gedrückt.

Dank dem beherzten Eingreifen des Captains, landeten wir dann aber doch noch ohne weitere Komplikationen. Was für ein Flug…..

Der Flughafen von Van ist wenig spektakulär, und bedarf keiner weiteren Worte.

Mit dem Bus ging es dann über eine marode, aber sich im Umbau befindlichen Landstraße in Richtung Colpan, dem nächsten Ziel.

Auf der ganzen Fahrt hingen wir alle an den Scheiben des Busses. Die Fahrt führte uns entlang des Vansees. Nach gut 45 Minuten Fahrt verließen wir die Landstraße und bogen nach links auf einen Feldweg ab.

Die letzten zwei Kilometer führten uns entlang an Äckern, die kräftig bearbeitet wurden. Colpan ist ein einfaches Dorf, dass von Farmern und Bauern bewohnt wird.

Das Dorf ist klein, hat einen Friedhof, und überall sieht man bis zu vier Meter aufgeschichtetem Mist, der in den harten Wintern zum Heizen benutzt wird.

Es sieht ärmlich aus, wenn man deutschen Verhältnisse als Maßstand nimmt. Ich erlaube mir aber kein Urteil, denn ich kenne die sozialen Unterschiede zu wenig.

Am Tagesziel angekommen, werden wir wieder auf das Herzlichste begrüßt. Rainer, Benny und mir werden die Zelte zugewiesen, während Werner , das Vater-Sohn Gespann und die beiden Schweizer  dekadent in einem der Apartments schläft.  Sie haben auch mehr bezahlt, somit auch mehr Schlafkomfort.

Am Zelt angekommen entledigen wir uns hastig vom Gepäck und laufen über eine kleine, leicht abfallende Wiese in Richtung Vansee, der einen Steinwurf entfernt liegt.

An der Ferienanlage, im Schatten eines Baumes, sitzen zwei ältere Männer und ein kleiner Junge auf einer Decke und laden uns ein bei ihnen Platz zu nehmen.

Die Herzlichkeit ist wieder einmal schwer zu toppen. Wir nehmen Platz und trinken Sekunden später unseren ersten türkischen Tee. Da ich es gewohnt bin, den Zucker mit meinen Tee zu vermischen, zögere ich auch nicht lange, und ergreife zwei Stück Zucker, und werfe sie ich mein Glas. Ich werde auf das höflichste darauf hingewiesen, wie man kurdisch seinen Tee trinkt. Der ältere von den beiden Herrschaften, welcher eine angenehme Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, lässt mich wissen, dass ich mir ein Stück Zucker auf die Zuge legen solle. Was ich auch gleich nachmache. Dann schenkt er mir erneut Tee ein, und ich trinke meinen Tee so, wie es hier Brauch ist. Bei jedem Schluck umspült der Tee das Stück Zucker, und läuft leicht gesüßt in meinen Rachen – ein wundervoller, aromatischer Geschmack, der meine Sinne beflügelt.

Nach dieser netten Bekanntschaft machen wir uns dann endgültig auf, um den Vansee willkommen zu heißen. Nach einem erfrischenden Bad, nehmen wir oben im Schatten der Ferienanlage Platz. Der Schatten kommt von einem Metallgestell, über welches ein Stofftuch gespannt ist. Und von wildem Wein.

Wir trinken unser erstes Bier, Efes natürlich, und freuen uns hier zu sein. An einem Ort, wo es sich gut ausspannen lässt.

Wir sitzen ungefähr 15 Minuten, da kommen zwei neue, unbekannte Gesichter auf uns zu und setzen sich mit zu uns an den Tisch.

Bei einem kurzen Plausch stellen sich die beiden als Uwe und Steffen vor. Es sind Vater und Sohn. Sie gefallen auf Anhieb – und komplettieren nun unsere Gruppe.

Wir trinken alle noch zusammen zwei, drei Bier und erfahren auf diesem Wege, dass die beiden schon seit zwei Tagen hier sind.

Am Nachmittag ist noch einen Wanderung angesetzt, an der wir teilnehmen. Sie führt uns in die „Schmutzgeierschlucht“. Uwe und Steffen nennen Sie die „Drecksgeierschlucht“ –Dieser Wortverdreher von Uwe ist ein Überbleibsel vom Vortag. Aufgeschnappt bei der Wanderung mit einer Ornitologengruppe, die vor unserer Ankunft abgereist ist.

Für uns alle ist es dann auch bei der „Drecksgeierschlucht“ geblieben J

Die Nachmittags-Wanderung stellte technisch, sowie körperlich, nicht die geringsten Schwierigkeiten.

Landschaftlich bewegten wir uns durch grüne Täler auf der einen , und auf der anderen Seite durch eine steppenähnliche Landschaftsformation. Von dem Gipfel hatten wir eine weitreichende Aussicht über den Vansee, bis hin zu den angrenzenden Bebirgszügen.

Entlang der „Schmutzgeierschlucht“ folgten wir einem Aquädukt in Richtung Tal.

Die Flora bestand größtenteils aus Diestel ähnlichen Gewächsen und von der Sonne ausgedörrtem Gras. Schmutzgeier und Schildkröten waren die einzigen Tiere, die wir ausmachen konnten.

In einem kleinen Dorf, welches wie passierten, posierten noch zwei kleine Kinder für ein Foto, so, als ob sie den ganzen Tag nichts anders machen würden.

Zusammenfassend: es war eine schöne Wanderung, die zeigte, dass wir als Gruppe funktionierten, was jeden von uns, mich eingeschlossen, glücklich stimmte.

Abends beim Essen, verfolgten wir alle die untergehende Sonne und erzählten noch ein wenig. Insgesamt gingen wir aber alle früh ins Bett, da wir morgen die erste Herausforderung auf dem Tageplan hatten – die Besteigung des Süpan.

Gruß

Vadim

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