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Südafrika – Tag 9 – Fahrt vom Addo Park nach Oudtshoorn

 

Besetzzeichen, jetzt schon seit über 17 Minuten …

Dann, ich habe gerade den Mund voll, etwas Einkratzendes: „ ja, hallo, Burgas BnB“.

Verdammt, wie bekomme ich jetzt einen guten Satz heraus?

 

Hier ein kurzer Auszug des Gesprächs:

„Ja, Hallo, hier ist Vadim. Ick rufe wegen eenem freien Zimmer für heute Abend an“

„Ja, Junge wo kommst Du denn her”? “Na ick komme aus Potsdam“.

„Na dit glob’ ich jetzt nicht, wa“. „ Warum, wat´ los ? „

„Na da bin ick jeboren, wa“ worauf ich nun sagen konnte: „is ja geil!“

Um‘s kurz zu machen, sie bietet uns das beste Zimmer ‒ für den besten Preis.

Das ging schnell und superunkompliziert.

Das Frühstück nehmen wir auf der Terrasse mit Blick in den Garten zu uns. Im Baum vor uns sehe ich nun bei Tageslicht, wie kleine gelbe Vögel beinahe kreisrunde, geflochtene Nester bauen.

Erstaunlich, in welchem Tempo das Nest Form annimmt, und wie sich Männchen und Weibchen beim Beschaffen von Baumaterial ablösen.

Die Fahrt heute führt uns bis nach Outdshoorn, wo wir eine Nacht verbringen werden.

Unterwegs passieren wir dann den Tsitsikamma Nationalpark und die Stormriver Bridge, die für den höchsten Bungiesprung der Welt bekannt ist.

Leider hat hier einige Wochen zuvor ein Waldbrand gewütet, der viel Wald zerstört hat. Kilometerlang zeichnet sich ein grauenvolles Bild entlang der Straße ab. Überwall schwelt es noch leicht, und man sieht nichts weiter als verkohlte Stämme.

Ein paar Kilometer hinter unserer Bleibe für die Nacht zeigt sich heute mal wieder besonders eindrucksvoll die Vielfalt Afrikas. Abwechselnd durchfahren wir Laubwälder, die aussehen, wie bei uns im Herbst.

Ein „Indian Summer” in Afrika ‒ und das im November.

Der wolkenverdichtete Himmel schafft eine drückende Atmosphäre. Alles sieht heute farblich etwas blass aus, weniger leuchtend und eindrucksvoll in den Farben als in den letzten Tage.

An der Stormriver Bridge machen wir einen ersten Tagesstopp, und ich bin gewillt, einen Bungeesprung aus 210 m Höhe herab von der Bloukraans Brücke zu wagen.

Leider ist der Sprung heute nicht möglich. Zu viel Wind. Schade 🙁

Ein Stopp lohnt aber allemal, denn der Blick hinunter in die Schlucht ist lohnend. Die tobenden Wassermassen hört man noch hinauf bis zur Brücke.

Ein Teil der Strecke führt uns fast am Wasser entlang. Wenn ich aus dem Fenster blicke, dann sehe ich zur rechten Seite den Atlantik, und wenn ich aus dem linken Fenster sehe, ein Bergpanorama, welches uns viele Kilometer begleitet.

Entlang des Wassers findet sich das eine oder andere fast verloren wirkende Boot. Kaum zu glauben, dass in einer so verlassen Gegend ein Fischer sein Geld verdient.

Der idyllische Küstenort Knysna fügt sich malerisch in das Landschaftsbild. Der triste Himmel ist inzwischen einem eindrucksvollen Hellblau gewichen. Die kleinen Wolkenfetzen wirken, wie von einer Malerhand liebevoll platziert.

Leider kann ich die kommenden Fotos nur aus dem Auto heraus machen, da sich keine Parkgelegenheit an der Straße ausmachen lässt, und die hinter uns fahrenden Autos einen Stopp auf der Straße unmöglich machen.

Ein paar Autostunden später ist die Landschaft inzwischen einer Steppe gewichen. Zur linken Seite sehen wir einen scheinbar nicht endenden Gebirgszug, an dessen Gipfeln vereinzelt weiße-graue Wolken hängen. Die braune Erde ist durchsetzt mit verdorrten grünen und grauen Büschen und Sträuchern. Vereinzelt sieht man die eine oder andere Straße, die sich durch dieses Labyrinth schlängelt, und sich dann in weiter Entfernung im Nirgendwo zu verlieren.

Am Horizont zeichnet sich das typische Hitzeflimmern ab, und wir sind auf der N12/R62 keine zehn Kilometer vor Oudtshoorn.

Rechts von uns führt ein Eisenbahngleis neben der Straße in Richtung Oudtshoorn, dem mein Auge aber irgendwann nicht mehr folgen kann.

In Oudtshoorn angekommen, ist eines sofort auffällig: die zentrale Verbindungsader mündet in eine große Kreuzung, in alle Himmelrichtungen weiterführt.

Zum Greifen nah sind nun die in unmittelbare Nähe sichtbaren Swartberge. Und wir müssen jetzt die 2. Jakaranda Avenue finden …

Nach ein paar telefonischen Anweisungen von Burga sind wir dann auch da.

Wir werden sehr herzlich empfangen und bekommen unser wahrlich fürstliches Quartier zugewiesen.

Burga hat nicht übertrieben, als sie am Telefon meinte, sie würde uns das beste Zimmer zukommen lassen.

Das Bett gleicht einem Himmelbett, und das Bad kann sogar zwei Waschbecken aufweisen. Komplett weiß gefliest stellt es unser heimisches Bad total in den Schatten.

Ein Blick durch das Fenster offenbart einen weiteren Luxus ‒ nämlich einen Pool direkt vor dem Fenster.

Freunde, in diesen Momenten möchte ich die Stimmung für immer in Erinnerung behalten können.

Am Pool sitzt eine Gruppe Schweizer, mit denen wir ein wenig plaudern. Nach dem obligatorischen Austausch von Informationen über die Reise und Privates zieht es uns noch einmal in die Stadt.

In einem für uns einladenden Restaurant esse ich das erste Mal Kudu Fleisch und Saskia ein Straußenfilet.

Inzwischen ist es dunkel. Die spärliche Straßenbeleuchtung hüllt die ganze Straße in ein gespenstisches Bild.

Auf dem Weg zu unserem Auto betteln einige Schwarze, die wir inzwischen gekonnt für den Moment ignorieren.

Am Auto angekommen, schleicht dann doch einer verdächtig nah an uns heran.

Mit einem Griff in die Tasche halte ich eine Münze in der Hand, die ich kurz darauf gekonnt, andeutend, mit dem Daumen in Richtung Penner schnippe, in der Hoffnung, sie landet in seiner Hand.

Dummerweise landet das Geld völlig ungewollt vor seinen nackten Füßen.

Während der zerlumpte Penner das Geld dankend, beinahe in Demut, vom Boden aufnimmt, fühle ich mich wie ein riesiges Arschloch.

Ein Gefühl, das mich noch eine Weile begleiten wird.

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