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Südafrika – Tag 11 – Von Swellendam nach Sommerset West, Gaansbai, Hermanus, Dangerpoint

 

Heute steht mal wieder Kilometermachen an. Von Swellendam nach Somerset West nahe Kapstadt, im Herzen der Weinregion.

Nicht weit entfernt lädt die False Bay zum Baden ein, und die Heldberg Gebirgskette ist immer in Sicht.

Somerset West wurde 1819 nach Lord Charles Somerset, dem damaligen Gouverneur der englischen Kolonie am Kap, benannt.

 

Geplant ist für heute eine Tauchtour mit dem weißen Hai ins Gansbai, Besichtigung von Hermanus sowie Dangerpoint.

 

Die Fahrt nach Hermanus führt uns über die N2 in Richtung Kapstadt. Die Straße ist auf Teilstrecken wie mit dem Lineal gezogen und verliert sich am Horizont im Unendlichen.

Diese Weite ist fantastisch. Wir beide sind sehr ergriffen.

Zur rechten Seite erstreckt sich über die nächsten 100 km eine Gebirgskette und zur linken ein nicht enden wollendes Kornfeld.

Nicht zu Unrecht spricht man auch hier von der Kornkammer Südafrikas.

 

Das gelbe Getreide ändert seine Farbe mit dem Stand der Sonne immer wieder, und lässt es mal goldgelb erscheinen. Ein andermal schiebt sich eine der Quellwolken über uns hinweg und lässt Schatten über das Korn tanzen. In der Ferne sind einige Farmen auszumachen, ansonsten ist dieser Abschnitt nahezu menschenleer und fast ohne Autos.

 

Um nach Hermanus zu kommen, kürzen wir über eine als Dirt Road eingezeichnete Straße ab. Was eine Dirt Road ist, erfahren wir auf den nächsten 35 km am eigenen Leib.

Das Auto schrubbt über eine wellblechartige Piste. Der Innenraum ist binnen Minuten voller Staub. Das Armaturenbrett ist überzogen von einem grau-gelben Film aus feinstem Staub. Die brütende Hitze drückt auf das Dach und lässt uns fast kochen.

Klimaanlage, vergiss es, denn der Staub dringt durch jeden Filter.

 

In Hermanus angekommen ist das Auto nicht mehr das, was es zuvor war. Die Karre sieht innen wie außen so was von saudreckig aus …

 

Wir stellen das Auto auf einer der vielen Parkmöglichkeiten ab, und ich laufe im Eifer schon voraus, was sich als folgenschwerer Fehler herausstellen sollte.

Beim Umschauen, wo denn Saskia bleibt, sehe ich nur noch, wie sie mit einem der vielen Schwarzen labert, wahrscheinlich wieder ein Autowächter denke ich, und ich trabe weiter.

Fehler Nr. 2.

 

Als Saskia zu mir aufgeschlossen hat, erwidert sie auf meine Frage, was denn der Typ wollte, trocken, dass er sich nur angeboten hätte, auf das Auto aufzupassen.

Aja, Fehler Nr. 3.

Dazu aber später mehr …

 

Hermanus ist fantastisch. Verträumt, aber nicht zu touristisch. Die Bucht lebt. Überall schwirren Möwen über unsere Köpfe, und das Meer ist in Bewegung. Weiße Kronen deuten auf guten Wellengang.

Ein altes Fort dient als Restaurant und bietet viele Schatten spendende, grüne Schirme.

Wir nutzen aufkommenden leichten Nieselregen, um in einem der vielen Cafés etwas zu essen und zu schlürfen, zu Mondpreisen. Aber es mundet ‒ und wie ! 🙂

 

Kurz darauf dominiert die Sonne wieder, und wir machen uns auf, um Hermanus weiter zu erkunden.

Auf den in der Bucht vorgelagerten Steinen sitzen Familien auf Decken und nutzen das Wetter für ein Picknick.

Im Oktober ist Hermanus ein Wallfahrtsort für Walfreunde als aller Herren Länder. Denn um diese Zeit schwimmen die Wale weit in die Bucht hinein. Sie sind dann zum Greifen nah.

 

Eine besondere Attraktion in Hermanus ist der „Whale Crier“. Dieser bekommt von einem Hubschrauber per Funk durchgeben, wo sich aktuell Wale in Sicht befinden.

Der „Wale Crier“ von heute ist wenig gesprächig und fotoscheu. Wahrscheinlich hat er keinen Bock mehr, was ich verstehen kann, denn der ist sicherlich mehr Motiv als eine Möwe oder die Bucht für viele der Besucher hier.

Umso auffälliger ist dafür sein Outfit. Bekleidet mit schwarzen Stiefeln und einer schwarzen Stoffhose. Dazu passend ein weißes längeres Rüschenhemd und Kopfbedeckung in Form einer Mütze, wie sie bei gerne von Jägern getragen wird, gespickt mit unzähligen Aufnähern. Sogar eine Feder steckt an der Mütze.

Ein blechernes Horn in der einen Hand und in der anderen ein Handy.

Vor seinem Körper hängt ein großes Schild mit der Aufschrift: „Whale Crier Of Hermanus“

Leider sehen wir heute keinen Wal. Vielleicht ein anderes Mal.

 

Am Parkplatz angekommen, suchen wir erst mal das Auto. Nirgends eine dreckige Karre, wie die unsere. Verdammt, geklaut oder was?

Nach einem Rundgang finden wir es dann, haben es glatt übersehen, denn die Karre blitzt wie aus dem Werk frisch eingeliefert. Selbst die Felgen weisen keinen Schmutz auf.

Was ist denn hier passiert?

Zurück am Auto, hält der „Aufpasser“ auch gleich die Hand auf, und verlangt satte 100 Rand. Ich frage ihn, ob er einen an der Waffel hat, und drücke ihm 5 Rand in die Hand.

Worauf er richtig wütend wird. Wild gestikulierend deutet er eindeutig angepisst auf Saskia und versucht mir klarzumachen, dass das so abgemacht gewesen wäre.

Ich greife in die Hosentasche und erhasche gerade noch 20 Rand. Prima, also rüber auf die Bank.

Wie es dazu kam? Das bleibt ein Insider, oh Yes Yes ! 🙂

 

Auf der Weiterfahrt besuchen wir noch den geschichtsträchtigen Ort Danger Point.

Hier strandete in den frühen Morgenstunden des 26. Februar 1852 der britische Truppentransporter HMS Birkenhead.

Hier hat die Birkenhead-Regel ihren Ursprung. Major Alexander Seton gab hier den Befehl: Frauen und Kinder zuerst! Und das hat bis heute Bestand.

Die sehr gepflegte Anlage veranschaulicht eindrucksvoll das Drama um die HMS Birkenhead.

 

Die letzten Kilometer passieren wir über die R43 zurück auf die N2 in Richtung Somerset West.

Das Hotel erreichen wir gegen 17 Uhr. Unser Quartier für die nächsten Tage ist eine kleine Rundhütte mit einer eindrucksvollen meterhohen Konstruktion aus Holz und Stroh.

Überhaupt haben wir mit dem Hotel einen Glücksgriff gemacht, denn die Hotelanlage ist überschaubar klein ‒ für vielleicht maximal 20 Gäste.

Ein kleiner Pool und ein Garten mit schattigen Bäumen laden zum Verweilen oder Abspannen ein.

An diesem Abend esse ich mein erstes südafrikanisches Filetsteak, das auf den Punkt genau gebraten wurde. Perfekt!

 

Morgen wollen wir den Tafelberg bezwingen. Ohne Seilbahn. Wir sind gespannt.

 

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