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Südafrika – Tag 1 – Anreise mit Hindernissen…

 

1. Tag – 07.11.2005

Was für ein Morgen … In der Gewissheit, dass das Flugzeug um 17.40 Uhr ab Frankfurt in die Luft geht, wache ich schon um kurz vor halb sieben auf und bin zugleich hellwach. Klasse!  🙂

Ich verbringe den Morgen damit, nochmals alles zu kontrollieren.

Irgendetwas vergessen zu haben, wenn wir in Südafrika ankommen – diesen Fehler könnte ich mir nie verzeihen,

Um 12 Uhr kommt dann auch schon der Bus, der uns zum Flughafen bringen soll. Mit Tempo 100 geht es nach Frankfurt.

Unterwegs steigt dann noch ein Paar zu. Ich denk noch, den kennst Du doch.

Kurze Zeit später kommen wir natürlich ins Gespräch – und es sollte sich herausstellen, dass ich ihn durch meine Arbeitsstelle kenne. Kleine Welt.

Am Flughafen angekommen geht es zum Check-in. Die junge Dame wirkt absolut lustlos und entsprechend verläuft das Einchecken.

Die Frage, ob denn das Gepäck bis nach Durban durchgebucht werden würde, wird mit einem kurzen JA beantwortet. Dumm nur, dass das nicht der Fall sein wird. Doch dazu später mehr.

Am Gate D08 angekommen, realisieren wir endgültig, dass es nun wirklich losgeht. Abflug war auf 17.40 Uhr terminiert mit British Airways Flug BA 909 nach Heathrow. Von Heathrow nach Johannesburg –und von dort nach Durban. Immer noch im festen Glauben, dass wir das Gepäck in Durban in Empfang nehmen können.

Die Ankunft in Heathrow verläuft völlig normal. Ein großer internationaler Flughafen von gewaltiger Dimension. Nie enden wollende Rolltreppen führen von einem Gang in den nächsten. Das wiederholt sich, bis es beinahe zur Routine wird.

Das Boarding dauert, denn alle warten geschlagene 30 Minuten auf einen weiteren Passagier. Wir beide sind aber entspannt. Bei den anstehenden 12 Stunden Flug kommt es auf die eine mehr auch nicht mehr an.

Wir beide fliegen das erste Mal in einer Boeing 747. Drei Sitzreihen nebeneinander. In der Mitte vier – und zu den Seiten jeweils drei Sitze.

Wir sitzen auf der rechten Seite. Saskia in der Mitte und ich links außen. Somit kann ich meine Beine bequem ausstrecken und bei Bedarf einfach mal frech in den Gang ausfahren.

Kurz nach Abflug wechselt das grelle in ein gedämpftes Licht, das Dunkelheit suggeriert und zum Schlaf anregen soll.

Ich friere. Aus der Klimaanlage bläst eisiger Sturm. Der Regler lässt sich nicht zu einem Klimawechsel bewegen. Ich habe in Erwartung, dass ja ins Warme reise, eine kurze Hose und ein Poloshirt an. Sicherlich nicht die beste Wahl. Schon beim Start in Deutschland war es bisweilen grenzwertig. Nur überwog der Wille, nicht schwitzen zu wollen, wenn wir in Afrika ankommen.

Ich drücke den Knopf für die Stewardess. Keine fünf Minuten später ist sie auch schon mit einem Lächeln im Gesicht zur Stelle. Da wir mit British Airways fliegen, versuche ich mich in meinem aufgefrischten Englischkenntnissen auf witzige Weise zu verdeutlichen, dass die Klimaanlage sich nicht steuern lässt, und dass ich friere. „I’m sorry, but the air condition is out of order. I can’t controlling the air flow … and I feel that my body begins to freeze …“.

Schweigen. Mir wird warm. Ich blicke sicherlich wie der dümmste Dackel in diesen Sekunden. Hat sie mich überhaupt verstanden? Sie nickt nur und deutet an, ich möge kurz warten. Bei noch anstehenden 11 Stunden Flug warte ich gerne …

Wenige Sekunden später steht sie auch schon wieder neben mir und drückt mir eine dicke, flauschige Decke in die Hand. Auf ein „right?“ von ihr, erwidere ich nur kurz: „Very well. Thank you“.

Bald darauf bin ich auch schon in einen tiefen Schlaf versunken.

In den nächsten Stunden durchlebe ich in einen Wechsel aus Schlaf und kurzen, tranceähnlichen Wachzuständen. Leicht gerädert durch die Sitzhaltung erwache ich genau rechtzeitig zum ersten Essen.

Frühstück. Nein Breakfast – aber so was von Englisch. Ei, Bohnen und Speck. Besser kann der Tag nicht beginnen. Kaum gegessen penne ich wieder ein.

Zwischendurch wechsle ich ein paar Worte mit Saskia, oder über die Reihen hinweg mit ein paar Berlinern, die direkt nach Johannesburg fliegen, um von dort in der Krüger Nationalpark zu fahren.

Der Rest des Fluges ist wenig spannend. Ebenso die Landung.

Die Ankunft auf dem Rollfeld bringt den ersten Schock. Das Gefährt, welches uns zum Flughafengebäude transferieren soll, kommt sicherlich aus den 50er Jahren. Es ist in einen, ich nenne es mal vorsichtig „überholungsbedürftigem Zustand“.

Aber egal. Stört uns nicht weiter. Der Flughafen ähnelt an dem Teil, an welchem wir ankommen einer Bruchbude. Die Durchgangshöhe hat keine 2,50 m – und überall aus der Decke hängen Kabel herab. Das Licht ist bestenfalls auf Kerzenniveau, und ich bin versucht, meinen Schädel von den Kabeln fernzuhalten. Aufgerissene Wände, aus denen die Isolierung hervorquillt und Bruchstücke von Fliesen säumen unseren Weg.

Hier wird wohl mächtig saniert – oder sogar modernisiert denke ich.

Kurze Zeit später wechseln wir in einen Neubau. Lichtdurchflutet in moderner Bauweise empfängt uns nun dieser Teil des Flughafens.

Und ab hier beginnt nun das anfangs nicht enden wollende, tief prägende und bisweilen tiefkomische Erlebnis. Ähnlich dem von Asterix und Obelix in einem der Filme, wo die beiden von Pontius zu Pilatus geschickt werden.

Alles beginnt mit einem, man muss auf den Punkt bringen, saudummen Fehler von mir. Kurzeitig haben wir die Wahl: „Domestic“ oder „International“. Ich wähle in einem schwer erklärbaren Wahn „International“.

Ohne auch nur irgendeinen Pass vorzeigen zu müssen, passieren wir den mit „International“ ausgeschilderten Weg.

Waren wir anfangs noch mit internatonalen Fluggästen unterwegs, so finden wir uns nun in einer schwarzen Menschenmasse wieder. Das hätte uns stutzig machen müssen. Wir fallen auf.

Nur mit dem Handgepäck unterwegs erkunden wir einen weiteren völlig neuen Teil des Flughafens. Wir tauschen zum ersten Mal Euro gegen Südafrikanische Rand.

Uns gefällt die Währung. Mit dem neu erworbenen Geld in der Tasche geht es weiter. Wir suchen unser Gate. Nichts zu finden, was darauf andeutet, dass wir hier richtig sind. Zwei Stunden haben wir Zeit. Also kein Grund zur Panik. Nach weiteren 30 Minuten sind wir noch immer keinen Schritt weiter. Es wird voller.

Ich beschließe, jemanden nach dem Weg zu fragen. Der Erste versteht mich – oder mein Englisch – nicht. Es bleibt mir keine Zeit, das zu ergründen. Um mich herum lächeln alle, als ob sie nie etwas anderes tun würden. Das imponiert mir und stimmt mich positiv auf Afrika ein.

Ein neuer Versuch bringt uns etwas weiter. Wir werden freundlich an das Ende eines für uns unendlich wirkenden Ganges verwiesen. Und tatsächlich führt uns der Weg anfangs offenbar in die richtige Richtung, denn die aufsteigenden Gate-Nummern streben zu unserem Ziel zu. Mein Blick wandert im Sekundentakt auf die Ausschilderungen.

Dennoch habe ich das mulmige Gefühl: das wird eng. Und keine 30 Meter vor dem Ende des Ganges wird klar, dass unser Gate hier nicht zu finden ist. Kurz darauf stehen wir vor einer schwarzen, geschlossenen, zweiteiligen Tür. Ratlosigkeit macht sich breit.

Den ganzen Weg wieder zurück zur Ausgangsposition. Klasse! Inmitten einer schwarzen Menschenmasse, mit keinem Schimmer, wie es jetzt weiter geht. Ich spreche den Nächstbesten an und schildere ihm mein Problem. Es ein groß gewachsener Mann, Mitte 20, mit einem Dreitagebart und freundlich dreinblickenden, tief liegenden Augen. Von ihm erfahre ich, dass wir hier völlig verkehrt sind. Mein erster Gedanke: Scheiße. Ich sehe Saskia an und zucke mit den Achseln. Der Mann bittet uns, ihm zu folgen.

Wir folgen ihm ohne Widerworte. Ohne groß nachzudenken, blind vertrauend. Völlig absurd.

Während andere in der Schlange stehen, hebt unser Mann schon die Hand und macht aus 20 Metern Entfernung sein Anliegen klar. Was folgt, ist ein kurzes Gespräch mit einem der Männer am Kontrollpunkt. Der blickt uns kurz an. Wir beide müssen wohl etwas entnervt und hilflos aussehen. Kurze Zeit später werden wir ohne jegliche Überprüfung durch die Personenkontrolle geschleust. Das war aber einfach. Pfffff …

Wenig später sind wir wieder im alten Teil des Flughafens. Unser „Schieber“ wirft einen kurzen Blick auf unsere Tickets. Er signalisiert, dass es eng wird, im wörtlichen Sinne. Wir stehen nun in einem breiten Gang, in dem die Aufregung immer mehr zunimmt. Jeder Passagier will als Erster an der Passkontrolle sein. Ein Gedränge und Geschiebe wie in an den Wühltischen bei Aldi oder Woolworth in den besten Jahren.

Geschätzte 200 Menschen sammeln sich nun vor dem „Domestic“ Kontrollpunkt. Ich verabschiede mich schon innerlich von unserem Anschlussflug. Auch Saskia dämmert es inzwischen. Aber noch sind wir bester Hoffnung.

Unser Retter in der Not macht aber jetzt das Unmögliche wahr. Ich beobachte, wie er erneut seine Hand hebt, und zielstrebig auf den ausgeschilderten Diplomaten-Kontrollpunkt zuläuft. Abermals Getuschel. Es wird diskutiert. Für uns sind das endlose Minuten … denn die Zeit wird immer knapper.

Der Passkontrolleur und unser „Mann der Stunde“ beenden ihre Verhandlung mit einem lässigen Handschlag. Wir werden herangewunken. Vorbei geht es an all den in feine Anzüge gekleideten Schlipsträgern, denen nun Gesichtszügen entgleiten.

Wir triumphieren im Vorbeimarsch. Ohne Kontrolle des Handgepäcks, geschweige denn der Person und Passes passieren wir den Diplomatendurchgang. Das ist Afrika!

Unser „Schieber“ verabschiedet sich herzlich von uns, und ich stecke ihm dankend 100 Rand zu. Sein zuvor schon breites freundliches Grinsen findet nun kein Ende mehr. Was für eine Type!

Beim Einchecken – knapp 40! Minuten vor Abflug – dann der nächste Dämpfer. Wir werden nach unserem Gepäck gefragt. Mir wird flau im Magen. Saskias sanfte Bräune schwindet. Ihr nun weißes Gesicht strahlt Fassungslosigkeit aus. Was ist denn jetzt passiert?

Ich erkläre hastig, dass uns in Deutschland zugesichert wurde, das das Gepäck bis nach Durban durchgebucht wäre. Man macht uns dann klar, das sei nicht der Fall. Ich zittere. Meine keimende Hoffnung, endlich weiter zu kommen, erstickt jämmerlich.

Damit ist klar, der Flug ist dann doch Geschichte. Leichte Panik macht sich breit. Ich lasse mir den Weg schildern, wo wir unser Gepäck abholen könnten. Also los geht es. Im Fahrstuhl in den fünften Stock. Hier soll es sein. Wir stehen vor verschlossenen Türen. Keine Klingel. Keiner zu sehen.

Also wieder Fahrt ins das Obergeschoss. Man sichert uns zu, Personal wäre oben. Wir sollten einfach klopfen. Also wieder Fahrt in den fünften Stock. Ich klopfe, nein, ich hämmere an die Tür. Das Einzige was in diesem Moment noch mehr hämmert ist mein Herz.

Nichts passiert. Ich benutze nun meine Fäuste, um der Tür ein wenig mehr Klang zu entlocken. Die Scheibe wackelt.

Plötzlich ein Gesicht. Na endlich. Die Tür öffnet sich und man fragt, was unsere Anliegen sei. Ich schildere kurz unseren Fall. Also Antwort folgt ein kurzes „OK“, und man verweist uns auf den dritten Stock. Wie jetzt!? Ich denke im fünften würden wir unsere Gepäckstücke finden. Anyway. Also ab in dritten Stock. Dort bietet sich dann die gleiche Situation. Kein Mensch zu sehen, keine Klingel.

Ich klopfe in gleicher Manier – und habe Erfolg. Die Tür öffnet sich, und ich kann auch schon in einem der hinteren, nun sichtbaren Räume einen unserer Koffer erspähen. Erneut schildere ich, aber diesmal in Kurzform unser Anliegen, und deute gleich an, unsere Gepäckstücke auch schon gesichtet zu haben. Und abermals ohne Kontrolle wird uns das Gepäck ausgehändigt. Manchmal liebe ich es, wenn es unbürokratisch zugeht.

Endspurt. Wir rennen, sofern man das so nennen kann, zum Check-in-Schalter und bekommen gleich den nächsten Schock. Die Schalter sind geschlossen. Ich werd verrückt. Einer der netten Schalterbediensteten winkt einen Mann herbei. In ein paar kurzen Sätzen wird anscheinend unser Problem geschildert. Denn kurz darauf kommt ein nächster Mann mitsamt einem Kofferwagen zu uns. Bevor ich überhaupt auch nur einen Satz formulieren kann, hat er auch schon unsere Gepäckstücke auf dem Wagen platziert und deutet an, wir mögen ihm folgen. Der Weg führt einmal komplett durch den Flughafen. Wir erlassen die klimatisierte Halle. Der gut 60 Jahre alte Mann rennt, den Wagen vor sich herschiebend, über eine Brücke, die zu einem anderen Teil des Flughafens führt. Ich flitze ihm mit nur einem Rucksack hinterher. Hinter mir keucht –und flucht – Saskia in ihrer langen Hose und Jacke. Wir haben ja auch nur gefühlte 40 Grad …

Erstaunlich, wie wendig so ein Wagen ist. Ohne auch nur das geringste Problem bugsiert ihn unser Koffermann von einer Straßenseite zur anderen. Er nimmt die Bordsteine ohne, dass ich auch nur eines der Gepäckstücke hüpfen sehe. Respekt!

Am Terminal angekommen, keimt wieder für ein paar Sekunden Hoffnung. Doch man sagt uns, dass der Flieger schon in der Luft sei.

Ich bedanke mich erneut mit 100 Rand bei unserem Helfer – wenn auch in diesem Falle ohne Happy End. Die Dame am Schalter hört sich unsere Geschichte aufmerksam an – und sichert uns Hilfe zu. Sie bucht uns auf einen anderen Flug um, welcher acht Stunden später geht.

Was bedeutet, wir haben viel Zeit …

Die nächsten Stunden verbringen wir mit Essen, Trinken, Lesen, Fotografieren, Small Talk usw.

Stunden später sind wir froh, endlich im Flugzeug zu sitzen. Aus den Wolken dann der Blick auf die Umrisse Johannesburg, die entschwindet und einer ständig wechselnden Landschaft weicht. Ackerbau bestimmt für kurze Zeit das Bild, welches sich mir aus dem Fenster bietet. Die restlichen anderthalb Stunden fliegen wir über Landschaften in verschiedensten Rot- und Grüntönen. Kurzeitig überfliegen wir eine bergige grüne Fläche mit Gebirgsausläufern und tiefen Gräben. Ein gigantisches Schauspiel aus Form und Farbe.

Beim Anflug auf Durban wird die Dimension der Stadt erkennbar. Allein der Hafen, den wir in der Einflugschneise überfliegen, hat mächtige Ausmaße.

Was folgt, ist eine sanfte Landung, Passkontrolle und das bange Warten auf unser Gepäck. Acht Stunden später als geplant finden stehen wir vor dem Flughafengebäude. Mit unserem Gepäck.

Die erste Frage, die uns beschäftigt, ist natürlich, ob noch immer jemand wartet, um uns abzuholen. Ich hatte zwar in Johannesburg im Hotel angerufen, und angekündigt, dass wir später kommen, aber nicht erwartet, dass der Transfer zum Hotel noch klappt.

Da spricht uns ein Taxfahrer an. Ich bekunde mein Interesse an einer Fahrt zum „Protea Hotel Edward“. Das war wohl das Stichwort, denn wie aus dem Nichts, bringt sich ein weiterer Mann in Gespräch. Er wimmelt den Taxfahrer ab, und stellt sich uns vor: Er habe geschlagene 10 Stunden auf uns gewartet.

Seine Laune ist aber bestens. Wir beladen gemeinsam das Auto und befinden uns sogleich auf dem Weg zum Hotel. Während der Fahrt gibt er viele Hinweise, Warnungen und Tipps zu Sehenswürdigkeiten in Durban.

Das von außen unscheinbare Hotel offenbart erst im Inneren seinen Charme. Prunkvolle Kronleuchter, marmorierter Fußboden und typisch englische Sitzmöbel komplettieren den Rezeptionsbereich.

Nach dem obligatorischen Check-in sind wir auf unserem Zimmer.

Wir genießen später am Abend die Sicht vom Hoteldach aus auf das nächtliche Durban. Die Stadt empfängt uns mit einem feuchtwarmen schwülen Wetter und einer grandiosen Wolkenformation.

Wir sind endlich angekommen.

1 thought on “Südafrika – Tag 1 – Anreise mit Hindernissen…

  1. LEGENDE !

    Als deutsches Diplomatenpärchen inkognito durch das Airport-Gate zu kommen könnte ebenso aus einem James Bond Film enliehen sein. Titel: “German Kaiser never dies”.

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